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Icon , 03.02.2018, Abschlussjahr 2020

mehr Schule als Studium mit Chaos-Organisation

In vielen europäischen Länder dauert ein Pflegestudium 4Jahre, um die Europäische Anerkennung zu erhalten, wird es aber in das schweizerische 3 Jahre Bachelor-System gezwängt. Dazu kommt die Idee der Fachhochschule Ostschweiz, dass alle noch interdisziplinäre Unterrichtsfächer belegen müssen. Die Folge ist, dass an bis zu 11 Stunden Präsenzunterricht hat(8.15 bis 19.25 mit 60min Mittagspause). Ich hatte mehrmals bis 47h Präsenzunterricht pro Woche. Wobei 80% Powerpointpräsentationen sind. Es wird kaum Lehrbücher, Literatur und wissenschaftliche Literatur verwendet, alles wird als Faktum auf Folien präsentiert. Es gibt kaum Ausführliche Skripts. Individuelles Selbststudium ist nicht vorgesehen, ausser zur Prüfungsvorbereitung.

Die Einteilung der Kurse in Module ist leider sehr sehr unlogisch. Ausserdem wird für das Schweizerische System untypisch die Module auch noch in Modulgruppen eingeteilt. Trotzdem wird dann doch nur auf Kurs-Level die Prüfungen durchgeführt. Es gibt zwar volle ECTS, aber diese werden dann nur zu 40% an die Module angerechnet, was eigentlich nicht der Empfehlung von Swissuniversities ist. Die Folge von dieser Zersplitterungen des Studienprogramme ist für Studierende ein intransparentes und chaotisches Studienprogramm. Das zeigt sich auch in den prüfungswoche, So müssen im ersten Semester 17 Prüfungen in 11 Tagen gemacht werden.

Viele Professoren kommen aus Deutschland, zwar sehr engagiert, aber öfters fehlt Verständnis für die Berufsausbildung (FaGe), Höhere Fachschule, Fachmaturität und Berufsmaturität und die Durchlässigkeit im schweizerischen Bildungssystem.

Andere Studiengänge in Pflege sind strukturell besser organisiert (Module) und haben nicht so einen überfüllten Stundenplan, weil sie mehr Selbststudium verlangen, also weniger auf Schule getrimmt sind und mehr auf Studium.

Dozierende sind sehr nett und helfen gerne weiter bei Problemen. Da es kein Uni-Spital gibt in der Ostschweiz und nur ein Kinderspital gibt es wenige Praktikumplätze im Bereich Pädiatrie und spezialisierte Pflege im Spital. Fokus liegt stark auf Spitex und “Community nurse”. Weshalb man in St. Gallen ausgezeichnetes Pflege-Assessment lernt.

Leider ist die Situation z zu medizinischer und pflegerischer Literatur und Fach-Bibliotheken ist unbefriedigend. Die Fachbibliothek der Fachhochschule ist sehr klein und entspricht eher einer Berufsschulbibliothek als Wissenschaftlicher Fachbibliothek für Pflege. Leider befindet sich im Verbund keine Medizinische Unibibliothek. Ausserdem fehlt es an Leseplätzen in ganz St.Gallen für alle Studierende von der PH, Uni bis zur Fachhochschule und keine Bibliothek bietet wirklich Sonntagsöffnungszeiten und Abend/Nachzeiten an wie es international üblich ist an grossen Unis.

Ausserdem hat die Fachhochschule keine allgemeine psychologische Studienberatung für Studierende an, da muss man sich bei den Dozierenden melden, aber da sind Interessenskonflikte nicht ausgeschlossen.

Erlebte die kleine Größe der FH eher als Nachteil, statt Vorteile.

Toll ist der Standort direkt am Hauprbahnhof. Leider sind die Studierenden aber schon rein durch die Architektur und vielen Ausgelagerten Büros der Dozierende von einander getrennt, sodass der Vorteil der kleinen Fachhochschule nicht wirklich zum Vorteil wird. Man sieht die Leitung und Dozierenden eigentlich nur in der Vorlesung oder wenn man sie gezielt aufsucht.

Großer Vorteil des Studienganges der FH ist, dass St.Gallen anders als Bern, Winterthur und deutschsprachiges Fribourg kein Numerus Clausus kennt, sondern ein anderes Aufnahmeverfahren hat.

 

 

Bewertung:

Dozenten / Lehrer
Ausstattung der Schule
Organisation der Schule
Rahmenangebot / Umfeld
Lehrinhalt

Pro:

Aufnahmeverfahren: kein Numerus Clausus, wie Bern und ZHAW. Pflegeassessment-Ausbildung, Fokus auf Community nursing (Spitex), viele Psychiatrie Praktikumsplätze

Contra:

Keine Zeit für individuelles Selbststudium, extrem lange Vorlesungen und Präsenzwochenzeiten, 80% nur PowerPoint, wenig Literaturstudium und kaum Lehrbücher, Bibliothek, Prüfungsmarathon und nicht nachvollziehbare Studiumsstruktur und Moduleinteilung, s