Da sind Sie mal wieder: Kopfschmerzen. Nicht etwa, weil die letzte Nacht so lang ging, dass der Morgen schon anbrach oder weil ich mir bei meiner Körperlänge von 1.90 m den Kopf angestossen habe (wäre ja nicht so, dass dies ab und an passiert). Nein! Ich habe mir in einem ruhigen Moment wieder den Kopf zerbrochen über ein Thema/Gespräch/Situation, welches auf mich zukommt und mich beschäftigt.

Dazu stelle ich mir zur Situation immer all diese Fragen: was kann ich machen? Wie kann ich das Problem lösen? Soll ich das eher so sagen oder dann doch ganz anders? Was ist, wenn sie gar nicht kommt? Oder am Ende dann doch? Aus den Fragen entstanden dann Ideen, wie eben etwas ablaufen könnte und daraus andere Situation entstehen könnten. Aus Situationen wieder andere Handlungsstränge und all das endet schliesslich in einem wilden Chaos. Kein Wunder, dass ich Kopfschmerzen bekomme. Etwas, was mir häufiger passiert, wenn ich studiere worüber ich schreiben möchte oder bei einem privaten Problem. Im Alltag praktisch normal für mich, hier ein kleiner Anriss wie es so ist.

Das, was mir passiert, nennt sich Überdenken oder wie schön es auf Englisch klingt Overthinking, die Duden-Erklärung dafür ist, über etwas [intensiv, prüfend] nachdenken.

über etwas [intensiv, prüfend] nachdenken

Klingt an sich ja recht simpel. Bringt mich persönlich, als jemand der recht viel überdenkt, doch immer wieder in peinlich bis blöde Situationen. Wenn mir aus dem Nix ein Gedanke wiederkommt, den ich irgendwo vergraben hatte. Am besten inmitten eines Gespräches, wo man mit irgendeinem Thema hereinplatzt und nachher jeder verdutzt einen ansieht. Auch wenn man an einer Arbeit dran ist und mitten dabei fällt einem auf, dass dieses und jenes noch gemacht werden muss. Ja, dass man ihr und ihm noch nicht zurückgeschrieben hat. Schon ist man mit den Gedanken woanders und die angegangene Arbeit ist nicht fertiggestellt oder wenn schon, dann doch eher so schnell, schnell statt schön und gründlich. Der wohl bekannteste Denker der Kunst: Rodins „Der Denker“.

Der wohl bekannteste Denker der Kunst –  Rodins „Der Denker“
Was hilft gegen Überdenken?

Reden: So simpel es klingt, stimmt halt aber. Gut, kommt vielleicht immer ein wenig darauf an, mit wem man etwas bespricht. Doch hilft es am besten, im engen Umkreis seine Gedanken manchmal frei zu äussern und zu besprechen. Vor allem bei Problemen, wo man sich eh mehr Gedanken macht als bei anderen Sachen, hilft es, andere Meinungen einzuholen. Dazu recht hilfreich, wenn manche Freunde gerade ausdenken und einen damit auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Ebenso anders rum kann man Freunden helfen, andere Möglichkeiten aufzuzeigen. Daher ist reden manchmal nicht mal so schlecht.

Pläne in die Tat umsetzen: Manchmal muss man auch wirklich Mut zeigen. So abwegig manche Entscheidungen scheinen, genauso spannend kann es sein, sie auszuprobieren. Ein wenig Spontanität kann man immer an den Tag legen und manchmal erlebt man ebenso die überraschendsten wie schönsten Momente. Ebenso tut es gut, manche Sachen nicht immer aufzuschieben. Auch wenn es wehtut oder einem schwerfällt, es hilft eher drüber zu reden, als sich in Gedanken zu flüchten.

Einfach vergessen: Ganz ehrlich, manchmal hatte ich Gedanken, wo ich dachte, das ist so eine geniale Idee. Nur, um am nächsten Morgen mir etwa einen eigen vorangefertigten Text anzusehen, um zu denken, wie dumm ich eigentlich bin. Manchmal hilft es, eine Nacht drüber zu schlafen, um zu erkennen, dass manche Gedankengänge doch recht hirnrissig waren.

Ist Überdenken gleich etwas Schlechtes?

Ein Gedanke, der mir kam, als ich den Artikel geschrieben habe war, dass dies doch alles ein wenig zu negativ klingt. Doch das ist es auf keinen Fall. Denken kann ich schlecht abstellen – schliesslich hilft es schon, ein wenig im Alltag durchzukommen (kleiner Scherz so am Rande). Doch hilft es immer wieder, neue Möglichkeiten zu sehen, selbst in manch zuerst aussichtslos wirkenden Situationen. Ebenso wie mir Freunde helfen, auf den Boden der Tatsachen zurück zukommen, kann ich ihnen vielleicht einen neuen Denkanstoss mitgeben.

Was jedoch ich in letzter Zeit feststellen musste, ist, dass es nix bringt, die ganze Zeit über zwischenmenschliche Probleme nachzugrübeln. Als kleiner Tipp: solange man mit manchen Personen noch sprechen kann, hilft ein gutes Gespräch, um manche Sachen zu klären.

Das als kleiner Ausflug in die Gedanken eines Überdenkers.

Dieser Beitrag ist als Erstpublikation auf tize erschienen.

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