Letztens im Café sass ich neben einer Mutter und ihrer kleinen Tochter. Anstatt sich mit ihrem Kind zu beschäftigen, surfte sie in den sozialen Netzwerken und die Kleine wurde mit einem iPad bei Laune gehalten. Auch als das Essen kam, lösten sich beide nicht von ihren Geräten. Dem Nachwuchs wurde ein Kinderfilm in voller Lautstärke eingestellt und Mama likte weiterhin ungestört Bilder von ihren Bekannten.

Man könnte meinen, all meine Freunde seien zu Profi-Küchengehilfen avanciert.

Kaltes Essen
Dieser ganze Social Media-Hype nimmt mittlerweile überhand, weil jeder das Bedürfnis hat, alles mit der ganzen Welt zu teilen. Selbst das Essen wird kalt, weil es erst noch von allen Seiten fotografiert werden muss. Die Teller werden solange herumgeschoben, bis sie perfekt in Szene gesetzt sind. Man könnte meinen, all meine Freunde seien zu Profi-Küchengehilfen avanciert. Sind die Bilder erst mal gemacht, geht das nächste Theater los, weil die perfekten Filter und Bildunterschriften gefunden werden müssen. Was cool sein soll, wirkt immer irgendwie lächerlich und inszeniert. Und wenn ich mich dann endlich hungrig auf mein Essen stürzen darf, wird es trotzdem nicht gemütlicher. Denn es haben alle ihr Handy neben sich liegen und checken minütlich die Reaktionen auf ihre Bilder. Jeder einzelne Like wird genauestens analysiert und die Bilder des anderen mit der Gabel in der Hand kommentiert.

Es sind genau die sozialen Kontakte, welche unter den ganzen Plattformen leiden.

Fremde «Freunde»
Wie asozial wir dank den sozialen Medien wirklich sind, zeigt sich am Beispiel meiner Freundin, die nicht Social-Media-affin ist. Wenn wir in unserem Freundeskreis über die neusten Posts tratschen, kann sie nicht mitreden und wird ausgeschlossen. Oft kennt sie noch nicht mal die Namen der Leute. Kein Wunder, denn im echten Leben wechseln wir oft nur wenige bis gar keine Worte mit unseren sogenannten Freunden.
Stellt sich die Frage, wo das Soziale in Social Media ist. Es sind nämlich genau die sozialen Kontakte, welche unter den ganzen Plattformen leiden. Anstatt zu reden, schreibt man – anstatt zu leben, täuscht man und anstatt zu geniessen, beneidet man.

„Klipp und Klar“ – Kolumne

Über alles, was wir nicht nur im Studium oder in der Ausbildung lernen, sondern durch das Leben.

 

Quelle Bild Header: The Healthful Lifestyle

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Mein grösstes Hobby ist das Reisen. Ich liebe es in andere Kulturen einzutauchen, neue Orte zu entdecken, einheimisches Essen zu probieren und Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen.

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