Foto: Monika Flückiger

Matthias Aebischer, SP-Nationalrat, verrät uns im Interview, wieso er sich für ein politisches Amt entschieden hat, warum die Schweiz über das beste Bildungssystem der Welt verfügt und für welche Weiterbildungen er sich momentan interessiert.

Auf welchen Erfolg Ihrer bisherigen politischen Karriere sind Sie besonders stolz?

Also, wenn ich ehrlich bin, ist das meine Wahl in den Nationalrat als Quereinsteiger. Nach der Bekanntgabe meiner Nomination habe ich beim Schweizer Fernsehen gekündigt und wusste nicht, ob ich es schaffen würde. Meine Wahl war für viele eine grosse Überraschung.

Weshalb haben Sie sich für ein politisches Amt entschieden?

Ich komme aus einer politisch sehr aktiven Familie. Mein Vater und meine Mutter waren nacheinander in der Exekutive von Schwarzenburg. Als mich dann die SP für eine Nationalratskandidatur anfragte, musste ich nicht lange überlegen. Zumal ich mir nach 20 Jahren im Schweizer Fernsehen sowieso die Frage gestellt habe, ob ich noch weitere 20 Jahre anhängen möchte.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial für die Schweizer Bildungslandschaft?

Ich sage immer, dass die Schweiz über das beste Bildungssystem der Welt verfügt: sehr gute obligatorische Schule, duales Bildungssystem, vorbildliche Hochschulen. Im Bereich der vorschulischen Programme jedoch müssen wir uns noch verbessern. Viel zu viele Kinder werden in der Schweiz bereits vor dem Kindergartenalter abgehängt.

Trifft die Politik genügend Massnahmen für das Schweizer Bildungssystem?

Was heisst da schon genügend? In der Bildung kann man immer mehr machen. Mit unseren Bildungsausgaben von 40 Milliarden pro Jahr sind wir jedoch im internationalen Vergleich on the top.

Was raten Sie jungen Menschen, die eine politische Laufbahn anstreben?

Das durchlässige Bildungssystem mit seinen unzähligen Passerellen erlaubt es, irgendwo einfach anzufangen. Ich sage auch meinen Kindern: Macht irgendetwas. Der Weg wird sich noch ein paar Mal ändern.

Wie gehen Sie als Politiker mit Kritik um?

Öffentlicher Kritik ausgesetzt zu sein, kenne ich von meinem Lehrerdasein, von meiner Arbeit als Moderator beim TV aber nun auch aus der Politik. Das gehört dazu und bringt einem ab und zu auch weiter. Anonyme Anfeindungen und Drohungen habe ich hingegen gar nicht gern.

Was sind die aktuell grössten Herausforderungen, denen unsere Gesellschaft ausgesetzt ist?

Ich glaube schon, dass die Digitalisierung grosse Veränderungen mit sich gebracht hat und auch noch bringt. Wir sind erst am Anfang. Das Tempo nimmt zu und wir müssen aufpassen, dass alle mit im Boot bleiben. Ich auch. Und klar, wir müssen Sorge tragen zu unserem Planeten. So weiter machen wie bis jetzt können wir nicht.

Lehre oder Studium?

Am besten beides. Meine älteste Tochter hat soeben die Matura gemacht, mit Bravour notabene, und will jetzt Zimmerfrau werden. Das begrüsse ich sehr.

Welche Veränderungen im Bildungssystem erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Die Weiterbildung ist die Bildung der Zukunft. Man lernt nicht mehr einen Beruf fürs Leben, sondern muss immer weiter gehen, agil sein. Ansonsten bleibt man auf der Strecke. Als Präsident des Schweizerischen Weiterbildungsverbandes (SVEB) sage ich immer, einmal pro Jahr muss man sich mit Weiterbildung konfrontieren, ansonsten bleibt man auf der Strecke.

Welches Studium bzw. Weiterbildung würde Sie momentan interessieren?

Ich würde gerne eine Weinbauschule besuchen und in den Reben arbeiten. Auch ein Jus-Studium interessiert mich.

Haben Sie ein (politisches) Vorbild?

Nein. Interessanterweise hatte ich weder bei meiner Arbeit als Journalist noch als Politiker je ein Vorbild.

Zur Person:

Matthias Aebischer – ehemaliger Moderator, Journalist und Lehrer – ist seit 2011 SP-Nationalrat im Kanton Bern. Als Präsident setzt sich der 52-Jährige unter anderem für den Verband für Weiterbildung (SVEB), den Grand-Prix von Bern und Pro Velo Schweiz ein.

Wir danken Matthias Aebischer für das Interview.

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