Gehe ich ans Gymi oder entscheide ich mich für eine Berufslehre? Diese Frage müssen sich Schweizer Schülerinnen und Schüler spätestens nach den neun obligatorischen Schuljahren stellen.

In fast keinem anderen Land hat die Berufsbildung einen so hohen Stellenwert wie in der Schweiz. Wer hierzulande eine Lehre absolviert, erhält einen eidgenössischen Fachausweis und ist danach bestens für das Berufsleben vorbereitet. Trotzdem steigt der Trend bei der gymnasialen Bildung seit den 1980er-Jahren stetig an (BFS). 2016 absolvierten knapp 26 Prozent der Schweizer Schülerinnen und Schüler eine Matura – über ein Viertel gehört somit zur „intellektuellen Elite“. Vor allem bei Frauen sind die Zahlen stark angestiegen, immer mehr wollen studieren.

Auch Nina Schmidt* (26) absolvierte eine Matura an einem Zürcher Gymnasium – unter anderem auch, weil sie gerne zur Schule ging. «Ich habe mich für eine gymnasiale Ausbildung entschieden, weil ich später studieren wollte. Ausserdem ging ich immer ausgesprochen gerne zur Schule und wollte diese nicht bereits nach 9 Jahren zugunsten einer Lehre verlassen», so die jetzige Studentin. Einen klaren Vorteil, ausser ihrer Zulassung zur Universität, sieht sie darin jedoch nicht. Jeder müsse selber wissen, was am besten zu ihm passe.

«Nicht alle haben dieselben Bedürfnisse, Interessen oder Fähigkeiten», erklärt sie. Abgesehen von ihrem Wunsch zu studieren, wollte sie sich auch bei der Wahl des späteren Berufes noch etwas Zeit lassen. «Ich war froh, dass mir mit der Berufswahl auf diese Weise noch etwas Aufschub gewährt wurde», so Schmidt. Wer hingegen eine Lehre absolviert, arbeitet bereits im jugendlichen Alter acht Stunden am Tag. Dazu kommen dann noch Berufsschultage und Prüfungen.

Quelle: unsplash

Zu wenig Fachkräfte wegen Lehrlingsmangel

Doch nicht jeder sieht im Matura-Trend einen Vorteil. So auch Patrick Bosshard, der die Lehrlingsausbildung beim Elektrotechnik-Unternehmen Etavis in Basel leitet. «Uns fehlen qualitativ gute Schulabgänger für unsere anspruchsvollen Ausbildungsgänge», sagt Bossard gegenüber dem Schweizer Fernsehen. 13’000 Stellen waren im Jahr 2016 unbesetzt und immer weniger Jugendliche interessieren sich für eine klassische Berufslehre.

Besonders betroffen seien Bau, Gewerbe und Gastgewerbe so Christine Davatz gegenüber SRF News. Dies könnte auch daran liegen, dass die Ansprüche der Jugendlichen gestiegen sind. Ausserdem war der Arbeitsmarkt noch nie so schnelllebig wie heute – die wenigsten bleiben ein Leben lang beim gleichen Job. Früher sah dies anders aus – wer zum Beispiel eine Lehre als Schreiner machte, arbeitete meist bis zur Pensionierung im selben Beruf.

Als Fazit lässt sich sagen, dass sowohl Gymnasium, als auch Lehrausbildungen für den Schweizer Markt unabdingbar sind – da es sowohl gut ausgebildete Fachkräfte wie auch Akademiker und Akademikerinnen braucht.

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