Anders als die meisten verbrachte ich meine frühen Zwanziger nicht etwa damit, einen guten Mann an meiner Seite zu finden. Stattdessen liess ich mich auf Mr. Taugenichts und Dr. Glaubt-er-sei-so-cool ein. Wieder – und wieder – und wieder.

Mit Mitte 20 entschied ich schliesslich, das Ganze erst einmal sein zu lassen. Eine selbstauferlegte “Nonnen-Phase” sollte mir helfen, den Fokus wieder voll und ganz auf mich selbst zu legen und mich erst wieder auf jemanden einzulassen, der es auch wert war. 

Bei meiner bis dahin sehr viel tiefer gelegten Messlatte hiess das, er sollte nicht schon wieder Borderliner und Alkoholiker zugleich sein.

Und ja, wer’s glaubt oder nicht: Ich habe ihn kurz darauf gefunden! Also den Nicht-Borderliner, dessen Trinkverhalten für Walliser Verhältnisse ziemlich normal ist. 

Den Mann, der es tatsächlich wert war.

Nun wohne ich schon seit einem Jahr mit ihm zusammen, wir sind seit 9 Monaten Katzeneltern und zu meinem täglichen Erstaunen scheint das Ganze tatsächlich zu funktionieren. 

Ich habe meinen Mr. Right gefunden. Hat er Macken, die ich nicht immer so toll finde? Aber klar doch! Heisst das, dass ich ihn nicht liebe? Hell no! Es heisst, Liebe sei blind. Ich sage Bullsh**! 

Denn das Wichtigste, was mich meine Beziehung bislang gelehrt hat, ist, dass eine gesunde und erwachsene Liebe ganz sicher nicht blind macht. In einer wahrhaftig guten Beziehung erkennt man die Makel des anderen. Man ist sich ihnen bewusst und man akzeptiert seinen Partner – genau so wie er ist. 

Wieso erzähle ich all das? Weil selbst ich nach viel zu vielen Fehlversuchen endlich gelernt habe: Kein Mensch und keine Beziehung ist perfekt. Genau das macht sie so wahrhaftig. 

Daher mein Tipp an euch alle da draussen: Verschliesst nicht eure Augen. Hört auf, nach Perfektionismus zu suchen. Sucht lieber die Makel und fragt euch: Wen mögt ihr trotz – oder auch genau wegen – seinen Imperfektionen?

 

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