Timo Schuster, Landesgeschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrates, ALDI SUISSE AG
Timo Schuster, Landesgeschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrates, ALDI SUISSE AG


Timo Schuster ist Landesgeschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrates bei der ALDI SUISSE AG. Im Interview spricht er mit uns unter anderem über seine Aufgabe als CEO und über die Herausforderungen, welche Aldi Suisse in der Corona Krise zu bewältigen hatte.


Welche Herausforderungen bringt Ihre Position als CEO mit sich?

Mit über 3300 Mitarbeitenden und über 210 Filialen hat sich ALDI SUISSE seit 2005 zu einem der grössten Arbeitgeber im Schweizer Detailhandel etabliert. Entsprechend der Grösse unseres Unternehmens und der Diversität unter unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt es sehr unterschiedliche Bedürfnisse sowie vielseitige Verantwortungsbereiche. Ebenso viele unterschiedliche Herausforderungen gilt es tagtäglich zu meistern. Ich agiere als Teil eines tollen und vielseitigen ALDI SUISSE-Teams. Unsere Führungskräfte nehmen dabei eine bedeutende Rolle ein – mit ihrem Handeln fördern sie das Potential der Mitarbeiter und motivieren zu persönlichen Bestleistungen.

Wie ist Ihr persönlicher Führungsstil?

Ich lege grossen Wert auf die Delegation von Verantwortung. Das bedeutet, es ist wichtig, dass Entscheidungen von jenen Personen gefällt werden, die entsprechend über das beste Wissen für die jeweiligen Kompetenzbereiche verfügen. Nicht nur für mich, sondern für all unsere Führungskräfte, bedeutet dies, dass sie von Anfang an viel Verantwortung übernehmen.

Jeder unserer Mitarbeitenden bekommt die Möglichkeit, etwas zu bewirken und Veränderungen voranzutreiben und dadurch einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten. Darauf sollte man Lust haben und definitiv mit einer positiven Grundhaltung an die Aufgaben herangehen.

Auf welche Werte und Eigenschaften achten Sie bei Ihren Mitarbeitenden?

Von der Filiale über die Logistik bis hin zu den zentralen Bereichen wie der IT, dem Einkauf oder dem Marketing: Bei ALDI SUISSE sind die Tätigkeitsbereiche sehr vielfältig. Daher braucht es je nach Fachbereich auch unterschiedliche Menschen mit diversen Eigenschaften. Insgesamt zeichnet sich unsere Unternehmenskultur durch unsere Kernwerte – einfach, verantwortlich, verlässlich und fair – aus. Wir setzten auf positive Teamdynamik und schätzen die Arbeit miteinander, ganz nach dem Motto: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Letztlich zählt jede und jeder Einzelne, denn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen im Zentrum unseres Unternehmenserfolges.

Welche Ziele möchten Sie mit Ihrem Unternehmen noch erreichen?

Wir werden uns weiterhin auf den Ausbau unseres Filialnetzes konzentrieren, aber auch in bestehende Standorte investieren, um sie für die Kunden noch attraktiver zu machen. Als nächstes Expansionsziel haben wir uns vorgenommen, die 300. Filiale in der Schweiz zu eröffnen. Durch die neuen Filialen schaffen wir ausserdem neue Arbeitsplätze. Wir werden bei der Standortwahl noch urbaner werden, aber auch mitten in die Quartiere und Zentren der Orte gehen. Die Frische, die Nachhaltigkeit und die Regionalität unserer Produkte spielt für uns aktuell eine besonders grosse Rolle – auch hier wollen wir noch weiterwachsen.

Inwieweit war Ihr Unternehmen von der Corona Krise betroffen? Konnten Sie aus dieser Zeit auch etwas lernen?

Wir waren von der Corona-Krise betroffen, konnten jedoch insgesamt ein Umsatzwachstum feststellen. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass wir über einige Wochen hinweg gemäss der BAG-Verordnung auf den Verkauf von Non-Food-Artikeln, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, verzichten mussten. Die Umsätze basieren auf dem gestiegenen Verkauf von Lebensmitteln und Hygiene-Artikeln. Wir haben ein solches Einkaufsverhalten, wie es sich für einige Wochen abzeichnete, seit unserem Markteintritt im Jahr 2005 noch nicht erlebt. Als Arbeitgeber und Detailhändler sahen wir uns aber innerhalb kürzester Zeit auch mit neuen Herausforderungen konfrontiert: Hygienemassnahmen mussten rasch umgesetzt und eine zielgerichtete Kommunikation an die Kundschaft sowie unsere Mitarbeitende gelangen. Da unsere Filialen besonders stark frequentiert wurden und es zu regelrechten «Hamsterkäufen» kam, hatten wir wortwörtlich alle Hände voll zu tun – und dies über Wochen hinweg. In solchen Zeiten zeigt sich der wahre Zusammenhalt im Unternehmen und so haben wir uns gemeinsam dieser Herausforderung gestellt. Ich denke und hoffe, dass uns dieser Spirit bei ALDI SUISSE weiterhin erhalten bleiben wird.

Was machen Sie nach einem stressigen Arbeitstag?

Wenn ich es rechtzeitig nach Hause schaffe, geniesse ich gemeinsam mit meiner Frau und unseren zwei Kindern entspannt das Abendessen. Sehr gerne gehe ich nach einem anstrengenden Tag auch ins naheliegende Tobel zum Joggen.

Wie sieht Ihr Bildungsweg aus?

Ich bin gebürtiger Salzburger und habe nach dem Gymnasium die berufsbildende höhere Wirtschaftsschule besucht. Anschliessend habe ich Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität in Wien studiert. Erste berufliche Erfahrungen habe ich bei Ferienjobs im Hotel bzw. im Duty Free Shop am Flughafen gemacht. Dabei habe ich so ziemlich alle Arbeiten vom Rasenmähen bis zum Regal einräumen übernommen. Wahrscheinlich haben mich nicht zuletzt diese Erfahrungen für meine spätere Berufswahl im Detailhandel beeinflusst. Jedenfalls habe ich gelernt, dass man neben einer fundierten Ausbildung, immer vollen Einsatz zeigen muss, um beruflich erfolgreich zu sein. Diese Einstellung habe ich im Ferienjob genauso wie bei meiner späteren Laufbahn zu jedem Zeitpunkt beherzigt.

Nach dem Start als Regionalverkaufsleiter bei HOFER Österreich im Jahr 2000 war ich ab 2002 als Expansionsleiter im Grossraum Wien und ab 2005 bei ALDI Slowenien tätig. Ab 2006 war ich als Geschäftsführer für den Aufbau von ALDI Ungarn zuständig. Seit 2010 bin ich nun Landesgeschäftsführer der ALDI SUISSE AG.

Werden junge Menschen genügend auf die Berufswelt vorbereitet?

Eine gute schulische Bildung ist nach wie vor ein sehr wichtiger Baustein in der beruflichen Ausbildung von jungen Nachwuchskräften. Was die Qualität der Lehre anbelangt, so sehen wir uns als Unternehmen und Ausbildungsbetrieb ebenso in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass junge Menschen einen kompetenten Einstieg in die Berufswelt finden. Daher bieten wir jährlich zahlreiche qualifizierte Lehrstellen in den Bereichen Detailhandelsfachmann/-frau EFZ oder Detailhandelsassistent/-in EBA, Kaufmann/-frau EFZ, Logistiker/-in EFZ und Informatiker/-in EFZ an.

Erst kürzlich sind wir als «Great Start!» Lehrbetrieb ausgezeichnet worden. Auf diese Auszeichnung sind wir sehr stolz, da hierfür die Lernenden selbst ALDI SUISSE als Lehrbetrieb bewertet haben – also eine Empfehlung aus erster Hand und eine wertvolle Orientierung bezüglich Ausbildungskultur, Stärken und Entwicklungspotenzialen.

Wie kritikfähig muss ein CEO sein?

Für einen CEO sind ein offener Gesprächsumgang, eine positive Einstellung sowie ein offener Umgang mit Fehlern und konstruktiver Kritik für die laufende persönliche Weiterentwicklung von grösster Bedeutung.

Haben Sie ein Erfolgsrezept für junge Menschen, die eine CEO-Position anstreben?

Nein, ich denke ein solches Rezept gibt es nicht. Jedes Unternehmen ist anders und natürlich ist jeder Mensch einzigartig und geht (hoffentlich) seinen ganz persönlichen Weg, um zu dem Erfolg zu gelangen, den er oder sie anstrebt. Landesgeschäftsführer zu sein, bedeutet für mich, jeden Tag aufs Neue ein hohes Mass an Verantwortung zu übernehmen – und dazu muss man bereit sein. In diesem Zusammenhang braucht es entsprechende Erfahrung und hierfür wiederum Zeit, denn Erfahrungen kann man nicht lernen, sondern muss sie machen. Daher war ich auf meinem bisherigen Weg bei ALDI bereits in verschiedenen Landesgesellschaften tätig und bin diversen Menschen und Herausforderungen begegnet. Für eine Karriere bei ALDI SUISSE sind neben der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, natürlich auch die Leistung und Flexibilität gefragt. Wir sind stets auf der Suche nach Persönlichkeiten mit besonderen Talenten, die wir auf ihrem Weg zur Führungskraft über massgeschneiderte Führungskräfteprogramme optimal begleiten. Wir sind immer bestrebt, unsere Mitarbeitenden möglichst langfristig zu engagieren. Die Tatsache, dass ALDI SUISSE seinen Managementnachwuchs ausschliesslich aus den eigenen Reihen rekrutiert, untermauert diese Grundhaltung. Durch die Vielseitigkeit des Aufgabenbereiches und der Führungsverantwortung sind ausserdem Eigenschaften wie Empathie, Kommunikationsstärke, ein hohes Mass an Engagement, Innovationsbereitschaft, Offenheit und ein Sinn für Nachhaltigkeitsaspekte wichtig. 

Wenn Sie einmal bei einer berühmten Person in den Unterricht sitzen könnten, wer wäre es und wieso inspiriert Sie diese Person?

Albert Einstein, denn er verband herausragende wissenschaftliche Leistungen mit einer sehr positiven Ausstrahlung und einem ausgeprägten Humor. Er konnte auch über sich selbst lachen. Eine Eigenschaft, die ich sehr sympathisch finde.

Foto: Aldi Suisse AG


Die ALDI SUISSE AG ist ein Schweizer Unternehmen mit Hauptsitz in Schwarzenbach SG und gehört zur Unternehmensgruppe Hofer S/E. Sie ist nach Migros, Coop, Denner und Manor der fünftgrößte Detailhändler der Schweiz und beschäftigt über 3300 Mitarbeitende. Aldi zahlt einen deutlich höheren Mindestlohn als Migros und Coop. 2015 erwirtschaftete Aldi Suisse 1,52 Milliarden Franken Nettoumsatz. Das macht im Durchschnitt 8,4 Millionen Franken pro Filiale. Die ersten vier Filialen wurden am 27. Oktober 2005 in Weinfelden, Amriswil, Altenrhein SG und Gebenstorf eröffnet.

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