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Im Interview erklärt uns Prof. Dr. Heinz Rhyn, Rektor der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH), wie unser Bildungssystem weiterhin erfolgreich bleiben kann, inwiefern Lehrpersonen genügend Wertschätzung entgegengebracht wird und wieso er gerne beim Philosophen Isaiah Berlin in den Unterricht sitzen würde.

Von welchem Beruf haben Sie als Kind geträumt?

Ich hatte keinen Traumberuf und keine klaren Vorstellungen meiner Zukunft. Gerne hätte ich Philosophie studiert, aber meine Eltern erlaubten mir nicht, das Gymnasium zu besuchen. Ich sollte einen ordentlichen Beruf erlernen.

Welchen Bildungsweg haben Sie absolviert?

Nach der vierjährigen Lehrerausbildung am Seminar Hofwil hatte ich nur beschränkte Studiumsmöglichkeiten. Ich studierte Kinder- und Jugendpsychologie, Psychopathologie und Pädagogik an der Universität Bern und promovierte später zu einem bildungshistorischen Thema aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial im Schweizer Bildungssystem?

Das Schweizer Bildungssystem ist grundsätzlich und im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt. Wir haben eine obligatorische öffentliche Volksschule, die ihren Auftrag hervorragend erfüllt und zudem den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert. Die duale Berufsbildung ist international ein bewundertes Vorzeigeobjekt und trägt unter anderem zu einer rekordverdächtig tiefen Jugendarbeitslosigkeit bei. Unsere Hochschullandschaft ist breit und vielfältig aufgestellt. Die Systemdurchlässigkeit ist auf allen Ebenen gewährleistet. Damit unser Bildungssystem weiterhin erfolgreich ist, sind gezielte Optimierungen, mutige Entwicklungen und zukunftsweisende Innovationen notwendig. Dabei ist der föderale Aufbau des Bildungssystems zu berücksichtigen.

Wieso sollten sich Studieninteressierte für Ihre Hochschule entscheiden?

Das Studium an einer Pädagogischen Hochschule führt zu einem anspruchsvollen, sinnstiftenden und befriedigenden Beruf. Die Pädagogische Hochschule Zürich bietet dazu eine umfassende und herausfordernde Ausbildung an zentraler Lage, verbunden mit anregenden Aktivitäten der Studierenden selbst. Das Studium an der PH Zürich ist ein prägendes Erlebnis.

Welche Fähigkeiten müssen Studierende im zukünftigen Arbeitsmarkt mitbringen?

Unsere Studierenden müssen offen sein für neue gesellschaftliche, kulturelle und technische Entwicklungen. Dazu gehört die Bereitschaft, sich laufend weiterzubilden und sich mit der Schule als Institution auseinanderzusetzen.

Wenn Sie nochmals studieren könnten: Für welches Studium würden Sie sich interessieren?

Vermutlich würde ich Geschichte studieren, weil sie eine Grundlage ist, um die Gegenwart zu verstehen und Ideen für die Zukunft zu haben. Besonders spannend finde ich die Geschichte der Geschichtsschreibung.

Auf welche beruflichen Leistungen sind Sie besonders stolz?

Ich freue mich darüber, wenn es mir gelingt, Mitarbeitende in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern.

Welches sind die grössten Herausforderungen für Studierende in der heutigen Zeit?

Für viele Studierende besteht eine Herausforderung darin, aus der Vielfalt der Themen, die ihnen in und ausserhalb des Studiums begegnen, die wesentlichen Inhalte zu eruieren und sich konzentriert und vertieft mit relevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen. Damit verbunden ist die Herausforderung, sich nicht ausschliesslich von Kreditpunkten durchs Studium leiten zu lassen.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen, gestützt durch einschlägige Forschungserkenntnisse, ist eine sinnvolle, gesellschaftlich relevante, herausfordernde und zukunftsweisende Aufgabe. In diesem Bereich eine zentrale Mitverantwortung zu übernehmen und zusammen mit vielen anderen Personen zu einem guten Gelingen beizutragen, motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

Wird LehrerInnen und DozentInnen genügend Wertschätzung entgegengebracht?

Lehrpersonen und Dozierende haben sehr vielfältige Kontakte mit Menschen in äusserst unterschiedlichen Funktionen. Ich denke, dass sie dabei mehr Wertschätzung und Anerkennung erhalten als Personen in vielen anderen Berufen, zumindest nicht weniger.

Bei welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie heute gerne mal als «Schüler» in den Unterricht sitzen und etwas lernen? Und warum?

Beim Philosophen Isaiah Berlin, weil er sich im 20. Jahrhundert in einer Art und Weise mit Aufklärung, Freiheit und Pluralismus auseinandergesetzt hat, die ich noch besser verstehen möchte.

Zur Person:

Seit 2016 ist Prof. Dr. Heinz Rhyn Rektor der PHZH. An seinem Beruf schätzt er vor allem, Mitverantwortung für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen zu tragen. Der leidenschaftliche Marathonläufer ist unter anderem Vizepräsident der Kammer der Pädagogischen Hochschulen, Mitglied des Vorstandes von educationsuisse und Präsident der Expertengruppe Bildung und Wissenschaft im Bundesamt für Statistik.

Wir danken Prof. Dr. Heinz Rhyn für das Interview.

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