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Prof. Dr. Esther Kamm, Rektorin der PH Zug, gibt in unserem Interview Auskunft darüber, warum sie gerne Neues kreiert, was sie an ihrem Beruf am meisten schätzt und was es mit den «4C» auf sich hat.

Von welchem Beruf haben Sie als Kind geträumt?

Ich wollte Kultur-Ingenieurin werden wie mein Onkel, der in Nepal Hängebrücken baute oder in Ägypten Wasserrohre verlegte. Es faszinierte mich, dass man mit seiner Arbeit das Leben von Menschen verbessern kann.

Welchen Bildungsweg haben Sie absolviert?

Ich war nicht an der ETH, sondern habe zweimal an der Universität Zürich studiert: Zuerst Sekundarlehrerin und anschliessend Pädagogik und Soziologie. Das zweite Studium habe ich berufsbegleitend absolviert und während acht Jahren Jugendliche unterrichtet. Eine Arbeit, die mir sehr gut gefiel.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial im Schweizer Bildungssystem?

Unser Bildungssystem hat ganz grosse Stärken, etwa dass bisher die Schulrankings aus dem amerikanischen Raum nicht Einzug gehalten haben. Solche Qualitäten und das Gleichgewicht zwischen fachlichem und sozialem Lernen in der Schule sollte beibehalten werden. Bei der Bildungs- oder Chancengerechtigkeit braucht es besondere Anstrengungen.

Wieso sollten sich Studieninteressierte für Ihre Hochschule entscheiden?

Die Pädagogische Hochschule Zug ist eine persönliche Ausbildungsstätte. Studierende und Dozierende sind im Dialog, das Engagement der Ausbildner/innen ist sehr hoch. Gut 95 Prozent unserer ehemaligen Studierenden geben bei der Absolventenbefragung an, dass sie die PH Zug wieder wählen würden.

Welche Fähigkeiten müssen Studierende im zukünftigen Arbeitsmarkt mitbringen?

Im internationalen Diskurs spricht man neben den fachlichen Kompetenzen von den «4C» oder auf Deutsch von den 4K: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken.

Wenn Sie nochmals studieren könnten: Für welches Studium würden Sie sich interessieren?

Ich bin an sehr vielem interessiert, entsprechend schwer würde mir die Wahl fallen: Volkswirtschaftslehre? Urgeschichte? Internationale Beziehungen?

Auf welche beruflichen Leistungen sind Sie besonders stolz?

Die besten Erfahrungen sind für mich, mit einem Team etwas Neues zu kreieren. Im Kanton Zürich hatten wir die Chance, alle Studienangebote für die Sekundarstufe I neu zu konzipieren, was zu rekordhohen Anmeldezahlen führte.

Welches sind die grössten Herausforderungen für Studierende in der heutigen Zeit?

Die Welt ist komplexer geworden, die Anforderungen der Gesellschaft an Schulen wachsen und Eltern wollen, dass ihr Kind bestmöglich gefördert wird. Unsere Studierenden müssen beim Studienabschluss für die Übernahme einer Schulklasse in der vollen Verantwortung gerüstet sein und diesen Anforderungen begegnen können.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Der Bildungsbereich ist für unser Land zentral und ein Engagement für die nachfolgende Generation – von Lehrpersonen – ist eine sehr sinnhafte Aufgabe.

Wird LehrerInnen und DozentInnen genügend Wertschätzung entgegengebracht?

Gerade die Lehrerinnen der untersten Schulstufen, die den Grundstein für fachliches und soziales Lernen legen, sollten mehr Wertschätzung erfahren. Unter dem Stichwort der Feminisierung des Lehrberufs werden Frauen unabhängig von ihren Fähigkeiten als Lehrerinnen oft verdächtigt, Buben und Mädchen nicht gleichermassen zu fördern.

Bei welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie heute gerne mal als «Schülerin» in den Unterricht sitzen und etwas lernen? Und warum?

Mich faszinieren Menschen aller Zeiten, die es wag(t)en, gegen ein autoritäres Regime anzutreten. Diese Zivilcourage und den Mut, eigenständig zu denken, sollten wir auch kommenden Generationen vermitteln. Da sind wir in unserem demokratischen Land in einer privilegierten Position.

Zur Person:

Prof. Dr. Esther Kamm unterrichtete mehrere Jahre als Sekundarlehrerin im Kanton Zürich. Nach ihrem Studium in Pädagogik und anschliessender Promotion zum Wandel von den Seminarien zu den Pädagogischen Hochschulen wechselte sie in den Hochschulbereich. Esther Kamm war mehrere Jahre als Abteilungs- und Departementsleiterin für die Sekundarstufe l tätig, zuerst an der PH der Fachhochschule Nordwestschweiz, anschliessend an der PH Zürich. Seit August 2017 ist sie Rektorin der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug).

Wir danken Prof. Dr. Esther Kamm für das Interview.

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