Nachhaltigkeit, Modebewusstsein und faire Arbeitsverhältnisse: darauf setzen die beiden Start-Up-Unternehmerinnen Emma und Lorena mit ihrem neuen Mode-Label «Manusia».

Emma Kistemaker und Lorena Madarena haben ihr eigenes Modelabel «Manusia» (Manusia bedeutet «Mensch» auf Indonesisch) gegründet. Die gebürtige Holländerin und die junge Italienerin haben sich vor über 14 Jahren beim Tanzen kennengelernt und besuchten beide die Universität Basel, an der sie Wirtschaftswissenschaften studierten. Nach dem Bachelora-Abschluss verschlug es Emma an die Universität St. Gallen. In dieser Zeit entstand die Idee der beiden, sich in die Modeindustrie zu begeben und dort ein Zeichen zu setzen. Doch wie ist es, in Zeiten der schnelllebigen Modeindustrie und als Jungunternehmerinnen ein Start-Up zu gründen, welches auf Nachhaltigkeit setzt?

Unsere Journalistin Viktoria Stauffenegger hat die beiden Freundinnen, am Tag des Launches ihres neuen Modelabels «Manusia», zum Interview getroffen.

Emma und Lorena, wie entstand die Idee zur Gründung eures eigenen Modelabels?  


Emma: «Wir haben uns beide schon früh für die Modeindustrie im Allgemeinen interessiert. Wir hatten beide an der Universität entsprechend informative Seminare und haben uns auch selbst damit auseinandergesetzt, wie die Modeindustrie heute produziert und wie schlimm die Verhältnisse sind. Wir wollten zunächst unser Kaufverhalten ändern und mehr auf Nachhaltigkeit achten, indem wir unsere Kaufentscheidung bewusst treffen. Wir haben nach Modemarken gesucht, die nachhaltig sind, um dort einzukaufen zu können. Leider haben wir fast keine gefunden, die unserem Geschmack entsprachen und haben uns dann schliesslich gedacht, warum nicht selbst nachhaltige Mode produzieren?»

Lorena erzählt weiter: «In dem Sommer, in dem wir «Manusia» gegründet haben, hat mich Emma auf den Dokumentarfilm «The True Cost» aufmerksam gemacht. Dabei ging es um die Missstände und die Schattenseiten der Modeindustrie. Zeitgleich besuchte ich an der Universität das Seminar der Georgetown University «Principled Leadership: Ethics and corporate social responsibility», welches uns darauf vorbereiten sollte, eine ethische und verantwortungsvolle Organisation zu führen, die mit ihren Werten übereinstimmt. Und genauso sind wir schliesslich vorgegangen. Je mehr wir uns über schnelle Entwicklung der Modeindustrie und dessen Konsequenzen auf die Umwelt und den Menschen informierten, desto mehr wussten wir: Wir müssen und wollen etwas dagegen unternehmen.»

Wie entstand dann die Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen?

Emma: «Wir hatten schon oft mit dem Gedanken gespielt, unser eigenes Label zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade angefangen, an der Universität St. Gallen zu studieren. Dort wurde ich darauf auf das Programm HSG Entrepreneurial Talents aufmerksam. Wir haben unsere Business Idee vorgestellt und wurden im Pool aufgenommen. Dieser Erfolg war für uns eine Bestätigung, dass unser Konzept nicht nur Potential hat, sondern tatsächlich umsetzbar und realisierbar ist.»

Was ist euch besonders wichtig bei eurer Marke?

Lorena: «Wir wollen mit Manusia zeigen, dass Mode auch ganz anders geht. Die Hälfte der Kleider, die in den Kleiderschränken der Leute liegt, wurden praktisch nie getragen. Wir wollen bei Manusia auf Schlüsselstücke setzen. Also denjenigen Kleidungsstücken, auf die man nicht verzichten kann. Zusätzlich wollen wir zeigen, dass Qualität und Modebewusstsein auf eine transparente, nachhaltige und faire Art umsetzbar ist.»

Habt ihr die Kollektion selbst entworfen und wie sind die Ideen dazu entstanden?


Emma: «Wir haben die Kleidung und die Designs selbst entworfen. In Zusammenarbeit mit unserer tollen Schneiderin (die zugleich eine Freundin von uns ist) haben wir die Schnittmuster erarbeitet und angepasst, bis es unseren Vorstellungen entsprach. Wir haben uns gefragt, welches die wichtigsten Kleidungsstücke für uns sind, die wir seit Jahren in unserem Kleiderschrank haben und immer wieder tragen. Die Wahl fiel dann auf einen Blazer, eine weisse Bluse, eine schlichte schwarze Hose und einen plissierten Rock.»

Welcher Moment war für euch besonders während des ganzen Gründungsprozesses? Und welche Schwierigkeiten gab es für euch?

Lorena: «Das grösste Highlight im gesamten Gründungsprozess war der Moment, als wir endlich unsere Produktionsstätte gefunden hatten. Wir waren lange auf der Suche nach einer Fabrik, welche die gesamte Palette unserer Werte abdecken konnte. Dazu gehörten nachhaltige Materialien, faire Arbeitsbedingungen und eine gute Infrastruktur für die entsprechenden Arbeiter. Wir legen sehr viel Wert auf Transparenz, deshalb soll unser Unternehmen genau dies wiederspiegeln. Unsere Produktionsstätte haben wir schliesslich in der Türkei gefunden. Wir haben letzten Sommer unsere Produktionsstätte besucht, unseren Partner und unsere NäherInnen kennengelernt und uns entschlossen, Manusia bei Ihnen zu produzieren.»

Zu den Schwierigkeiten sagt Emma: «Die Schwierigkeiten waren – wie wahrscheinlich bei jedem Start-up – dass man am Anfang nicht alles weiss und teils Entscheidungen fällt, die sich im Nachhinein als Fehler oder Kosten ausweisen. Zudem war es eine enorme Hürde nachhaltig und ethisch zu sein. Besonders Bio-Baumwolle sowie ähnliche organische Stoffe sind extrem teuer und fasst nicht auffindbar. Wir haben einige Textilmessen in Paris und London besucht. Jedoch gab es fast keine Anbieter, die organische Baumwolle zur Verfügung hatten. Man hat also viel weniger Möglichkeiten als nachhaltige Marke und ist eingeschränkter, was sehr schade ist.»

Welche Tipps habt ihr zur Gründung eines Start-Ups?

Emma: «Das Wichtigste ist einfach, immer nachzufragen. Wir haben uns über Social Media und E-Mail-Verkehr mit anderen Start-Ups und Labels verknüpft und haben hierdurch einen Ansatzpunkt und Tipps erhalten.» Lorena ergänzt: «Man darf auch nicht vergessen, nie aufzugeben. Am Anfang stösst man oftmals auf ein «Nein» bevor man endlich mal ein «Ja» bekommt. Es braucht Geduld und vor allem Leidenschaft. Man muss mutig sein und nie sein Ziel aus den Augen verlieren, welches man von Beginn an und in der Zukunft weiterverfolgen möchte.»

Es ist also nicht einfach ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen, doch mit viel Engagement und dem Ziel stets im Blick, kommt man dem Traum des eigenen Unternehmens immer näher. Nicht aufgeben und das Ziel nie aus den Augen verlieren ist also das wichtigste, um erfolgreich ein Unternehmen zu gründen.

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