Foto: PPR/Gaetan Bally
Erland Brügger, Geschäftsleiter von Rivella, gewährt uns im Interview einen Einblick in seinen Alltag als CEO und hat wertvolle Tipps für junge Menschen zum Thema Studien- und Berufswahl.
Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Ursprünglich wollte ich Décolleteur* werden, wie mein Vater. Dies war aber mehr meinem Vater geschuldet, den ich sehr gerne hatte, als dem Beruf. Trotzdem fasziniert mich das Thema eines industriellen Betriebs bis heute – auch wenn ich dann einer völlig anderen Aufgabe nachgegangen bin.
* Herstellung kleiner Metallteile mittels Drehen, Fräsen oder Bohren

Wie sieht ein normaler Morgen bei Ihnen im Büro aus?

Ich starte in der Regel zwischen 06.30 und 07.00 Uhr und dann gehört der Tag neben einem Kaffee zuerst mir. Das gibt mir die Möglichkeit, mich auf den Arbeitstag vorzubereiten. Ab 08.00 Uhr füllt sich dann der Betrieb und es stehen Meetings und Gespräche an. Mit Ausnahme von Routinemeetings wie zum Beispiel das GL-Meeting sehen die Tage aber selten gleich aus.

Was ist das Prägendste, das Sie auf Ihrem Bildungsweg erlebt haben?

Sicherlich eine nicht ganz problemfreie Zeit in der Mittelschule, inklusive einer Vertragsverlängerung um ein zusätzliches Jahr kurz vor der Matur. Eigentlich habe ich dann erst mit dem Start meines BWL-Studiums an der HSG gemerkt, wie wichtig es ist, Dinge zu tun, die man gerne macht. Darin ist man einfach besser, als sich mit Themen zu beschäftigen, die einem weniger liegen.

Was würden Sie jungen Menschen, die eine CEO-Position anstreben, raten?

An sich zu glauben, bereit sein, eine Extrameile zu gehen und sich zu engagieren, wenn es im Geschäft schwierig wird. Zudem braucht es die richtigen Kontakte, welche einen unterstützen, wenn es um einen CEO-Entscheid geht. Da gehört auch eine Portion Glück dazu.

Wie beurteilen Sie das duale Bildungssystem der Schweiz?

Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz mit ihrem dualen System hervorragend ab. Sitzt man nur in der Schweiz, hat man nicht immer diesen Eindruck und vergleicht man Maturitätsquoten international, fragt man sich wieso diese in der Schweiz so tief sind. Die Antwort ist: Schulen und die Wirtschaft kümmern sich um einen guten Einstieg ins Erwerbsleben junger Menschen. Und dies auch bei Menschen, welche für sich einen anderen Weg als den akademischen, suchen. Und dass unser System über die Zeit immer offen lässt, sich auch zu einem späteren Zeitpunkt weiterzubilden, finde ich ebenfalls erwähnenswert.

Welchen Bildungsweg würden Sie heute einschlagen, wenn Sie nochmals am Anfang stehen würden?

Ich würde ähnlich entscheiden, mit meinem heutigen Wissen aber eher ein technisches Studium an der ETH anstreben.

Worin sehen Sie die Herausforderungen für junge Menschen, die in den nächsten Jahren in die Arbeitswelt einsteigen?

Ich denke, jede Generation muss sich ihren Weg in das Erwerbsleben erkämpfen. Die jungen Menschen von heute haben ein anderes Selbstverständnis als dies meine Generation hatte. Sie sind selbstbewusster und haben ein gutes Auftreten und trotzdem müssen sie lernen, wie sie in einer Organisation zurechtkommen und wie man in einer arbeitsteiligen Welt, in der es nicht nur um die eigenen Wünsche geht, arrangiert. Das Selbstbewusstsein zeigt sich auch in dem heute viel breiteren Wunsch der jungen Generation, selbst eine Firma zu gründen. Sein eigener Herr und Meister zu sein, selbst etwas zu entwickeln. Das war bei meiner Generation sicherlich viel weniger ausgeprägt.

Theorie oder Praxis?

Auch wenn ich viel Theorie gelesen und studiert habe, steht für mich heute klar das Lernen aus der Praxis im Vordergrund.

Welches Studium würde Sie aktuell interessieren?

Ich würde heute eher ein technisches Studium, zum Beispiel als Maschineningenieur machen.

Welche drei Dinge stehen zuoberst auf Ihrer Bucket List?

Ich führe keine Bucket List. Ich freue mich immer wieder, neue Dinge kennen zu lernen und wenn mir etwas wichtig ist, dann mache ich das auch. Ich träume aber nicht von einer Besteigung des Mount Everests oder einer Reise mit dem Frachtschiff nach Australien. Ich gehöre zu dem Menschen, die mit dem Hier und Jetzt ganz zufrieden sind, und ich bin im Leben bereits genügend reich beschenkt worden. Am wichtigsten bleiben mir meine Familie und meine Gesundheit.

Zur Person:

Seit 2011 führt Erland Brügger die Rivella-Gruppe mit Sitz in Rothrist, zu der nebst dem Schweizer Nationalgetränk unter anderem auch die Michel-Säfte oder das alkoholfreie Apéro-Getränk Urs gehören. Der 53-jährige Berner hat Ökonomie an der HSG studiert und war danach bei namhaften Unternehmen wie Unilever (Lipton-Sais), Novartis Consumer-Health Schweiz und Wander (Associated British Foods, ABF) tätig.

Wir danken Erland Brügger für das Interview.

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