Während die Klimastreik-Bewegung in der Schweiz rasant wächst, startet demnächst erneut die Nachhaltigkeitswoche. Für die Öffentlichkeit werden über 60 kostenlose Veranstaltungen angeboten, während die beteiligten Hochschulen einer Evaluation unterzogen werden.

Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) fallen in der Schweiz jährlich über 700 Kilogramm Abfall pro Kopf an. Im europäischen Vergleich belegt die Schweiz damit den dritten Platz. Im Kampf für eine nachhaltigere Schweiz findet deshalb zum siebten Mal die Nachhaltigkeitswoche in Zürich statt. Mit Veranstaltungen wie «Plastic Recycling DIY» und «Nachhaltiges Reisen» will der Verein einerseits der Allgemeinbevölkerung Nachhaltigkeit näherbringen, andererseits die beteiligten Hochschulen auf Trab halten. Auf der Webseite der Nachhaltigkeitswoche findet man das Dossier mit 22 ausformulierten Forderungen bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung der Hochschulen.

Hochschulen sehen Verbesserungspotenzial

Die Forderungen sollen als Wegweiser zu einer nachhaltigen Hochschule dienen. Nachhaltigkeit wird in allen Bereichen von Strategie und Führung über Lehre bis Gastronomie und Abfallhandhabung gefordert. Jede Forderung wird unterstützt durch ein reales Beispiel einer Hochschule dieser Welt, die den Schritt in Richtung Nachhaltigkeit schon gemacht hat.

Foto: Brainstorm

Die Zürcher Hochschulen haben die Möglichkeit, eine Evaluation auszufüllen, in der sie konkret auf die Forderungen eingehen und somit den Status Quo abbilden. Das Ziel der Evaluation ist es, Transparenz zu schaffen und auf das Potenzial im Bereich der Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen. Es ist den Hochschulen überlassen, ob sie die jährliche Evaluation ausfüllen und den eigenen Fortschritt schriftlich festhalten möchten. Letztes Jahr haben vier der beteiligten Hochschulen eine Evaluation gemacht – die ETH hat sich wegen des Umfangs des Forderungskatalogs geweigert.

Auch im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird der Fortschritt der Hochschulen thematisiert. Im Jahr 2018 haben sich vier von fünf Hochschulen selbst eine insgesamt ungenügende Note gegeben. Das Bewusstsein der Hochschulen bezüglich Nachhaltigkeit ist also da. Somit ist auch die Bereitschaft der Hochschulen, mit den Studierenden zusammenzuarbeiten und ihre Forderungen ernst zu nehmen, gross.

Skriptflut und Plastikbecher an der ZHAW

Trotz fortschrittlichen Versuchen zur nachhaltigen Abfallhandhabung gibt es an der ZHAW Verbesserungspotenzial. Obwohl die ZHAW für ein papierloses Studium wirbt, gibt es immer noch Studiengänge, die eine Skriptenpauschale von 50 Franken pro Semester bezahlen müssen. Umgerechnet entspricht das grob 500 Kopien pro Kopf und Semester. Die Unterlagen wären allesamt online verfügbar – abwählen kann man die Skriptenpauschale nicht.

Im Forderungskatalog steht zudem, dass im Betriebsalltag wo immer möglich, auf Plastik, unnötige Verpackungen oder Einweggebinde verzichtet werden soll. Die ZHAW beteuert, dass in den Mensen das Konzept «bring your own cup» angeboten werde. Beim Kaffee, ja. Beim hausgemachten Eistee hingegen stehen nur Einweg-Plastikbecher zur Verfügung. Es stellt sich auch die Frage, ob ein solch umfassendes Take-Away-Angebot von Müeslis, Salaten, Früchten und Gemüsesticks – allesamt in Einweg-Plastik verpackt – wirklich nötig ist.

Problematisch scheint hier vor allem, dass Studierende keine Wahlmöglichkeiten haben. Es könnte sein, dass Gewisse gerne gedruckte Unterlagen bekommen und ihren Salat «to go» haben möchten, aber was ist mit den anderen? Die nachhaltige Option müsste attraktiv dargestellt werden und vor allem leicht zugänglich sein. Dann würde die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und der Hochschule auf dem Weg zur Nachhaltigkeit noch ein bisschen besser klappen.

Dieser Artikel ist als Erstpublikation auf brainstorm.ch erschienen.

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