Sein Budget für das Studium zu planen, kann Überwindung kosten. Besonders wenn man vermutet, dass es knapp werden könnte. Dennoch lohnt es sich. Denn ein Budget schafft Sicherheit und ermöglicht es, mit Geld bewusster umzugehen.

Wer sich in einer Ausbildung auf Hochschulniveau befindet, der ermöglicht sich dies zumeist nicht alleine. Rund 83 Prozent der Schweizer Studierenden erhalten laut Bundesamt für Statistik finanzielle Unterstützung von der Familie. Die Zahlen sind nicht weiter verwunderlich: Studierende benötigen pro Monat zwischen 1620 und 2680 Schweizer Franken, wenn sie in einer Wohngemeinschaft leben. Können sie noch zu Hause wohnen, kommen trotzdem 780 bis 1780 Schweizer Franken zusammen. Die Zahlen stammen aus den Berechnungen der Budgetberatung Schweiz. Am meisten ins Gewicht fallen dabei Fixkosten wie Steuern, Krankenkasse oder Fahrkosten. Die persönlichen Ausgaben belaufen sich in dieser Kalkulation auf 190 bis 340 Franken. Das lässt einem nicht viele finanzielle Freiräume. Vor allem Studierende, welche nicht mehr Anfang zwanzig sind, stossen an ihre Grenzen. Reto, welcher Kommunikation studiert und 35 Jahre alt ist, erklärt: „Es ist schon etwas ein „Daily Struggle“. Ohne klares Budget, Nebenjob und Disziplin kommt man nirgendwo hin.“

So erstellst du einen Finanzplan.

Plötzlich droht der Studienabbruch

Fragt man bei anderen Studierenden nach, stösst man auf ganz besondere Budgetversionen. So erklärt ein Studierender: „Ich gehe jeweils nur mit 5 Franken in bar aus dem Haus. Keine Kreditkarte oder zusätzliches Bargeld. So gerate ich nicht in Versuchung.“ Wer aber nicht nur bei täglichen Ausgaben an die Grenze stösst, sondern auch bei Studiengebühren und Fixkosten Mühe hat, der braucht einen konkreten Budgetplan. Sonst droht im Verlauf der Ausbildung ein Studienabbruch oder eine erhebliche Verzögerung, weil einem das Geld ausgeht. Finanzielle Gründe geben 16 Prozent aller Studienabbrecher als Ursache an; jeder Fünfte, dass er abbrechen musste, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Daher ist klar: Wer frühzeitig ein solides Budget erstellt, geht nicht nur bewusster mit Geld um, sondern findet Sparmöglichkeiten. Ein durchdachtes Budget ist auch bei der Suche nach finanzieller Unterstützung unentbehrlich – sei es für Stipendien privater Institutionen oder für zinsgünstige Bildungsdarlehen, wie sie die Stiftung EDUCA SWISS anbietet. „Zudem hören wir von Kandidaten häufig, dass ein Budget auch im Familienkreis Skeptiker überzeugt und Gelder freisetzt“, erklärt Claude Siegenthaler, Geschäftsführer von EDUCA SWISS.

Budget – So gehst du vor:

1. Mach einen Finanzplan BEVOR du in finanzielle Problem gerätst.

2. Nimm keine standardisierten Normwerte, sondern gehe von deiner individuellen Situation aus.

3. Beobachte einen Monat lang deine Ein- und Ausgaben sowie Rechnungen. Aber vergiss nicht deine jährlichen Rechnungen wie bspw. Steuern.

4. Sammle Erfahrungswerte durch Fragen an Eltern, Freunde und Bekannte um deine Situation besser abschätzen zu können.

5. Verschaff dir einen Überblick: Studien- und Lebensbedingungen an den Schweizer Hochschulen.

6. Such dir eine Budget-App.

7. Rechne dein Budget wirklich bis zum Ende deines Studiums durch. Wenn du ein Darlehen beziehst, bis zu jenem Zeitpunkt, an dem du alles abbezahlt hast!

Kostenlose Unterstützung holen

Im Internet finden Suchende diverse kostenlose Online-Budgetrechner. Auch EDUCA SWISS ermöglicht es, online seine Finanzen zu berechnen. Die Stiftung begleitet bei der Erstellung eines umfangreichen Finanzplans jeden Bewerber. Denn: „Die meisten Personen, welche sich um Darlehensgeber bemühen, haben noch nie genauer ihre Finanzen unter die Lupe genommen. Da besteht oft Potential für Einsparungen und es können unrealistische Pläne korrigiert werden – das gibt Sicherheit“, erklärt Claude Siegenthaler. Toni Aeschbacher, welcher die Bewerber als Coach unterstützt, ergänzt: „Durch Tools wie educaplan kann die finanzielle Situation konkret visualisiert werden. Die Bewerber wissen danach genau, was sie brauchen, welche Möglichkeiten sie haben und wo eine finanzielle Lücke besteht.“ Budgetieren ist besonders wichtig, wenn die Ausbildung mit einem Darlehen finanziert ist: Ohne Finanzplan zahlen Betroffene unnötig hohe Zinsen oder sind auf Jahre hinaus knapp bei Kasse. „Darum empfehlen wir ein Budget, welches nicht nur das Jetzt, sprich die Ausbildungszeit umfasst, sondern auch die Zeit danach mit allenfalls nötigen Praktika bis zum Berufseinstieg.“

Toni Aeschbacher hatte ursprünglich Volkswirtschaft studiert. Dank langjähriger Tätigkeit in der Unternehmensführung verfügt er über einen vielseitigen Erfahrungsschatz. Auch mit rund 70 Jahren berät er noch immer Unternehmen. Als Coach bei EDUCA SWISS möchte Aeschbacher der Gesellschaft etwas zurückgeben. Budgetieren ist für ihn etwas, was jeder schon in jungen Jahren lernen sollte: „Ich musste mein Taschengeld und Ausgaben jeweils in einem Büchlein eintragen. Das hört sich vielleicht etwas simpel an, aber so etwas macht Geld greifbarer.“

Schulden wegen Ausbildung

Laut dem Bundesamt für Statistik haben 12 Prozent der Schweizer Studierenden Schulden im Zusammenhang mit ihrer Ausbildung; bei den über 25-jährigen ist es gar jeder Vierte. Für Coach Aeschbacher ist das etwas bedenklich: „Vielleicht könnte man diese Zahl reduzieren, wenn jeder vorher einen genauen Finanzplan macht.“ So versteht der Coach seine Rolle bei EDUCA SWISS als Impulsgeber: Ein Coach wie auch der Budgetplan zwinge einem dazu, sich Gedanken zu machen, welche man vorher nicht beachtet hätte. Oftmals übersehen werden jährlich anfallende Kosten wie Steuern oder Rückstellungen für medizinische Gründe. Aeschbacher ist sich sicher: Budgetieren lohne sich für alle. Auch im späteren Leben. Und: „Budgetierung ist keine Hexerei. Jeder kann es. Man muss es einfach machen.“



Claude Siegenthaler war selbst auf Unterstützung für seine Ausbildung angewiesen. Seit 2014 engagiert er sich für mehr Chancengerechtigkeit durch Bildungsfinanzierung. „Wir bringen Menschen zusammen, die an den Wert von Bildung glauben und ermöglichen so Hilfe zur Selbsthilfe.“ Bei EDUCA SWISS ist Siegenthaler als Teil des Stiftungsrates für die Geschäftsführung verantwortlich.

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Ich hüpfe gerne in Flugzeuge (Abenteuer, yay!), bleibe aber ungerne studenlang in einem (langweilig, ungemütlich, schreiende Babys auf der anderen Seite des Gangs). Manchmal schreib ich etwas, davon abgesehen haben Schlafen und Essen bei mir hohe Priorität. Du findest mich des öfteren im Hund-der-nach-unten-schaut und anderen wohlklingenden Posen (Ashtanga Yoga) und wenn mal etwas schief läuft, atme ich einfach weiter. Namasté und so...

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