Wie der Bund entscheidet, welcher Bachelor eine Rose bekommt

Bericht

Neu werden dieses Jahr Bachelorstudiengänge wie Cyber Security oder die Vertiefung Jodeln angeboten. Ob solche neuen Angebote finanziert werden, entscheidet der Bund. Um sich seine Unterstützung zu sichern, müssen die Hochschulen jedoch einiges leisten.

Das Schweizer Hochschulangebot wird regelmässig ergänzt und angepasst. Jedes Jahr werden neue Studiengänge und Fachvertiefungen eingeführt; manche davon sind sogar schweizweit einzigartig. Die Neueinführung solcher Angebote basiert auf verschiedenen Aspekten: Zentral sind sowohl die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz eines neuen Angebots wie auch eine Begutachtung seitens Bund und Kantone.

Cyber Security im Trend

Vor allem im Bereich der Informatik und IT-Sicherheit werden neue Studiengänge und Vertiefungen angeboten. Studierende der Hochschule Luzern können dieses Jahr zwei neue Bachelorstudiengänge belegen: Eingeführt werden in Luzern ab Herbstsemester 2018 die Studiengänge „Information & Cyber Security“ und „International IT Management“. Gleichzeitig wird das Studienangebot an der ETH Zürich neu um einen Zertifikationslehrgang (CAS) und einen Diplomlehrgang (DAS) in Cyber Security erweitert, welche beide berufsbegleitend absolviert werden können.

Die Hochschule Luzern führt im Herbst schweizweit einzigartige Studiengänge ein. Quelle: Jefferson Santos/Unsplash

Die neuen Studienangebote sind eine Reaktion auf den immer höheren Stellenwert der Informatik in unserer digitalisierten Gesellschaft. Dabei gewinnt vor allem der Bereich der IT-Sicherheit immer mehr an Bedeutung. Laut Prof. Dr. René Hüsler, Direktor des Departements Informatik an der Hochschule Luzern, ist die Einführung eines Bachelorstudiengangs in Cyber Security eine direkte Reaktion auf die steigende Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften in der Wirtschaft.

Eine Frage der Berufschancen

Auch an der HRS Hochschule für Technik Rapperswil geht die Einführung eines neuen Studienangebots mit einer Analyse der Nachfrage nach ausgebildeten Fachkräften einher. Wie Prof. Dr. Jürg Speerli, Leiter der Ausbildung an der HSR und Mitglied der Hochschulleitung erklärt, erfolgt die Einführung eines neuen Studiengangs basierend auf direkten Rückmeldungen aus der Berufspraxis. So sind in den Fachausschüssen der einzelnen Studiengänge auch zwischen fünf und sieben externe Repräsentanten verschiedener Firmen und Verwaltungen aus der Berufspraxis vertreten, welche bei der Analyse des Studienangebots reflektierend mitwirken. Im Bereich „Bauingenieurwesen“ sind an der HSR beispielsweise Geschäftsleitungsmitglieder von Ingenieurbüros, Bauunternehmen, der kantonalen Bauverwaltung und der ETH Zürich vertreten.
Der Fachausschuss reflektiert das bestehende Studienangebot und diskutiert über mögliche Anpassungen und Neueinführungen. Eine genaue Analyse und Einschätzung seitens der Experten aus der Berufspraxis ist dabei für Jürg Speerli sehr wichtig: „Nur so bilden wir auch Studierende aus, welche der Markt wirklich braucht“.

Die HSR setzt auf Berufschancen. Quelle: HSR Hochschule für Technik Rapperswil

Verpflichtung gegenüber den Studierenden

Um den Studierenden nach der Ausbildung gute Berufschancen zu ermöglichen, ist die HSR auf eine Marktanalyse und Rückmeldungen aus der Privatwirtschaft angewiesen. Dabei darf jedoch nicht leichtfertig auf kurzfristige Wünsche der Firmen eingegangen werden. Die Einführung eines neuen Studiengangs muss genau analysiert werden. Für Jürg Speerli von der HSR ist es essenziell, dass ein neuer Studiengang nachhaltig ausgerichtet und langfristig angeboten wird. Denn: „Die Studierenden müssen sicher sein, dass sie nach Abschluss des Studiums auch gute Chancen auf dem Berufsmarkt haben und sie gefragte Fachkräfte sind. Wir haben den Studierenden gegenüber eine Verpflichtung. Und die müssen wir einhalten“.

Geld für Qualität

Der Entscheid, einen neuen Studiengang einzuführen, wird in erster Linie von den Hochschulen selbst gefällt. Damit der Studiengang jedoch vom Bund finanziert wird, muss er zuerst auf seine Qualität geprüft werden. Das Verfahren einer solchen Begutachtung wird Akkreditierung genannt.
Die Bundesverfassung beauftragt Bund und Kantone, die Qualität im schweizerischen Hochschulwesen sicherzustellen und die Kompetenzen einer Hochschule auszuweisen. Dieser gesetzliche Auftrag wird nicht vom Bund direkt, sondern vom Akkreditierungsrat ausgeführt. Dieser ist ein unabhängiges Organ, welches für die Prüfung von Hochschulen und deren Studienprogrammen zuständig ist.
Der Akkreditierungsrat besteht aktuell aus 18 unabhängigen Mitgliedern, die insbesondere die Hochschulen, die Arbeitswelt, die Studierenden, die Lehrkörper und die Lehr- und Forschungsbereiche vertreten. Gewählt werden die Mitglieder vom Schweizer Hochschulrat. Der Akkreditierungsrat wiederum überwacht die Schweizerische Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ).
Reicht eine Hochschule ein Gesuch für die Einführung eines neuen Studiengangs ein, wird dies Programmakkreditierung genannt. Das Gesuch wird von der Agentur geprüft bis schliesslich der Akkreditierungsrat nach etwa einem Jahr den endgültigen Entscheid fällt.

Schematische Darstellung des Ablaufs eines Akkreditierungsverfahrens. Quelle: Schweizerische Agentur für Akkreditierung.

Hochschule – ein Bezeichnungsrecht

Damit eine Hochschule ihren Studiengang akkreditieren lassen kann, muss sie vom Bund zuerst überhaupt als Hochschule anerkannt werden. Eine solche offizielle Anerkennung nennt sich institutionelle Akkreditierung.
Die institutionelle Akkreditierung ist die wichtigste Grundvoraussetzung für eine Programmakkreditierung. Durch sie erhalten Hochschulen das Recht, die Bezeichnung „Universität“, „Fachhochschule“ oder „Pädagogische Hochschule“ zu führen. Diese Begriffe sind gesamtschweizerisch geschützt und können nur nach genehmigter institutioneller Akkreditierung genutzt werden. Für die öffentlich-rechtlichen Hochschulen ist dies die Voraussetzung, um finanzielle Beiträge des Bundes zu erhalten. Dafür muss eine Hochschule gewährleisten, dass Lehre, Forschung und Dienstleistung von hoher Qualität sind und das Lehrpersonal entsprechend qualifiziert ist.

Die Gliederung der Akkreditierungsverfahren. Quelle: Schweizerische Agentur für Akkreditierung.

Qualität ist das A und O

Ist eine Hochschule institutionell akkreditiert, hat sie die Möglichkeit, mittels einer Programmakkreditierung Studiengänge vom Bund finanzieren und anerkennen zu lassen.
Für die Programmakkreditierung eines Studiengangs müssen bestimmte Qualitätsstandards eingehalten werden. So müssen beispielsweise klare Ausbildungsziele formuliert sein, eine regelmässige Durchführung des Studienprogramms muss gewährleistet werden, die Kompetenzen des Lehrpersonals müssen den Lernzielen entsprechen und der Lehrinhalt muss in die Entwicklung der Berufsfelder wie auch in wissenschaftliche Erkenntnisse eingebettet werden.
Eine Hochschule muss ihre Studienangebote alle sieben Jahre wieder akkreditieren lassen, denn eine Programmakkreditierung ist nur solange gültig. Wird ein Gesuch abgelehnt, kann die Hochschule keine Beschwerde erheben. Ihre einzige Möglichkeit besteht darin, beim Akkreditierungsrat ein Gesuch auf Wiedererwägung einzureichen.

Auch Feedback seitens der Studierenden ist wichtig

Bei der Einführung eines neuen Studiengangs oder einer neuen Vertiefungsrichtung beziehen Hochschulen oftmals auch das Feedback der Studierenden mit ein. An der HSR beispielsweise haben die Studierendenvertreter laut Ausbildungsleiter Jürg Speerli die Möglichkeit, sich in Studiengangkonferenzen einzubringen und sich mit der Schulleitung einmal pro Semester über das Studienangebot auszutauschen.

Prof. Dr. Jürg Speerli, Leiter Ausbildung der HSR, legt Wert auf das Feedback der Studierenden.
Quelle: HSR Hochschule für Technik Rapperswil

In den Konferenzen werden geplante Vertiefungsrichtungen und Module vorgestellt und Feedbacks seitens der Studierenden eingeholt. Für Jürg Speerli sind solche Feedbacks sehr wertvoll:  „Vor allem im Hinblick auf Verbesserungen sind wir auf die Rückmeldungen der Studierenden angewiesen“. Beim offiziellen Entscheidungsprozess einer Studiengangeinführung sind die Studierenden zwar nicht direkt involviert, jedoch werden ihre Rückmeldungen zu Studienstoff und Dozierenden sehr geschätzt und fliessen in die regelmässige Bewertung und Analyse des Studienangebots ein.

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