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Hans-Jakob Boesch, Präsident der FDP Kanton Zürich, liegt das duale Bildungssystem am Herzen. Wie er sich dafür einsetzt, was es braucht, damit mehr junge Menschen an die Urne gehen und welchen Wunsch er für die Schweiz hat, erzählt er uns im Interview.

Was war der Auslöser, dass du dich heute aktiv für die Politik engagierst?

Ich wurde vermutlich schon als Primarschüler politisiert, da meine Eltern am Esstisch über Politik diskutierten. Als Teenager wuchs dann mein Interesse an politischen Fragen und tagesaktuellen Themen stark. Das ist bis heute geblieben. Als ich meine Dissertation abschloss und ich wieder etwas mehr Zeit hatte, habe ich mich entschieden, mich aktiv in einer Partei zu engagieren. Ich wollte nicht mehr nur über Politik reden, sondern selbst Politik machen und etwas verändern.

Wie beurteilst du das duale Bildungssystem der Schweiz?

Das duale Bildungssystem ist eine Erfolgsgeschichte und ein Garant für tiefe Arbeitslosigkeit, hohe Arbeitszufriedenheit und hohen Wohlstand. Wir müssen deshalb das duale Bildungssystem unbedingt pflegen und weiterentwickeln.

Wofür setzt du dich als Politiker in Bezug auf die Schweizer Bildungslandschaft ein?

Wie gesagt liegt mir das duale Bildungssystem am Herzen. Dafür setze ich mich ein sowie für eine hohe Qualität auf allen Bildungsstufen, vom Kindergarten bis zur Spitzenforschung. Hierfür müssen wir auch weiterhin genügend Geld zur Verfügung stellen, was nur mit einer florierenden Wirtschaft möglich ist.

Was hast du in Bezug auf dein politisches Amt während deiner Ausbildung gelernt?

Da ich Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert habe, habe ich viel theoretisches und wissenschaftlich-empirisches Wissen über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gelernt. Davon ist das eine oder andere auch nützlich für ein politisches Amt. Wer Politikwissenschaft studiert hat, ist aber nicht automatisch ein guter Politiker.

Weshalb hast du dich für die Ausbildung entschieden, die du absolviert hast?

Ich habe verschiedene Studiengänge angeschaut und mich letztendlich für das Studium entschieden, das sowohl Kopf als auch Herz am meisten ansprach. Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Das Studium ist aber nur ein Element meiner Ausbildung, wichtig waren auch Weiterbildungen, Praktika und Berufserfahrungen.

Wie hast du dich über das Aus- und Weiterbildungsangebot informiert?

Ich war bei der kantonalen Studienberatung und hab mich bei den Universitäten informiert. Zudem habe ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht, die vor der gleichen Entscheidung standen.

Lehre oder Studium?

In der Schweiz spielt diese Frage zum guten Glück keine Rolle: Ob Lehre oder Studium, alle können einen Beruf erlernen, der ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht und indem sie genug fürs Leben verdienen. Wichtig ist, dass man denjenigen Weg einschlägt, der zu einem passt. Eine Lehre ist gleichwertig zu einem Studium.

Was braucht es, damit mehr junge Menschen zur Urne schreiten?

Die Eltern und die Schule können mit der Erziehung beziehungsweise der Ausbildung mithelfen, dass die Jungen ein grösseres Interesse an Politik entwickeln. Entscheidend ist aber, dass sich junge Menschen bewusst werden, dass jeder Urnengang einen Einfluss auf die eigene persönliche Zukunft hat. Es sollte deshalb niemand verpassen, mitzuentscheiden.

Welcher Politiker wäre ein guter Dozent?

Vermutlich die wenigsten, denn Politiker/innen haben ja selten eine pädagogische Ausbildung. Nur politische Reden zu halten, macht noch keinen guten Dozierenden.

Was machst du, wenn du nicht gerade politisch tätig bist?

Als Milizpolitiker habe ich nebst meinem politischen Amt noch einen ganz normalen Beruf als Angestellter einer Versicherung. Zu meinen Hobbys zähle ich Reisen, Lesen, Wandern, Theater/Kino, Sport und Freund.

Wer ist dein (politisches) Vorbild?

Ich habe kein bestimmtes Vorbild. Aber es gibt viele Personen, Politiker und Nicht-Politiker mit ganz unterschiedlichem (politischen) Hintergrund, die etwas gemacht haben, was mich beeindruckt und inspiriert. Davon versuche ich zu lernen.

Ein Wunsch, der noch nicht in Erfüllung gegangen ist?

Ich wünsche mir, dass wir uns hier in der Schweiz wieder bewusst werden, welch unglaubliche Lebensqualität wir alle hier geniessen dürfen, welch unzählige Möglichkeiten uns allen offenstehen und dass fast alle unsere Probleme lösbar sind.

Zur Person:

Vor acht Jahren der FDP beigetreten, präsidiert Hans-Jakob Boesch seit 2016 die FDP Kanton Zürich. Von 2015 bis 2019 war er Kantonsrat in Zürich. Der Stadtsanktgaller hat Politikwissenschaften und Volkswirtschaft studiert und arbeitet heute als Projektleiter bei der Swiss Life.

Wir danken Hans-Jakob Boesch für das Interview.

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