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Der Klimawandel beschäftigt Martin Neukom schon lange. Als Jugendlicher ist er deshalb den Jungen Grünen beigetreten, heute ist er Zürcher Regierungsrat und Vorsteher der Baudirektion. Mit uns spricht der Winterthurer über seine Studienwahl, seine Wünsche und seine Begeisterung für das duale Bildungssystem.
Was war der Auslöser, dass du dich heute aktiv für die Politik engagierst?

Ich habe mich früh für die grossen Themen der Welt interessiert, wie den Klimawandel oder die enorme Armut auf der Welt. Was den Klimawandel anbetrifft, hat es mich schon vor 15 Jahren sehr gestört, dass die politische Mehrheit das Thema ignorierte. Darum beschloss ich damals in die Politik zu gehen.

Wie beurteilst du das duale Bildungssystem der Schweiz?

Ich bin begeistert von unserem dualen Bildungssystem. Ich habe selber eine Lehre gemacht als Konstrukteur und danach ein Studium als Mechatronik-Ingenieur an der Fachhochschule. Dazu kam ein Masterabschluss in Deutschland und diesen Sommer plane ich, meine Dissertation einzureichen. Genau diese Durchlässigkeit gefällt mir am Schweizer Bildungssystem.

Wofür setzt du dich als Politiker in Bezug auf die Schweizer Bildungslandschaft ein?

Für mich persönlich ist der Bezug zur Praxis enorm wichtig. Es geht nicht nur darum ein theoretisches Verständnis zu erlangen, sondern dieses Wissen auch anzuwenden. Da ist unser Bildungssystem gut unterwegs.

Was hast du in Bezug auf dein politisches Amt während deiner Ausbildung gelernt?

Ich bin Vorsteher der Baudirektion. Da kann ich sehr viel von meinem Fachwissen als Ingenieur einsetzen. Ferner habe ich schon in meinen frühen Ausbildungsjahren gelernt, Fragen zu stellen und Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Weshalb hast du dich für die Ausbildung entschieden, die du absolviert hast?

Ich war schon als Kind fasziniert von Technik, Mathematik und Zahlen. Da war ein Ingenieurstudium naheliegend.

Wie hast du dich über das Aus- und Weiterbildungsangebot informiert?

Bei meiner Arbeit am Institut für computergestützte Physik an der ZHAW lag eines Tages ein Flyer für das Masterprogramm Solare Energiesysteme auf meinem Tisch. Jemand hatte den da hingelegt für mich. Ich war damals und bin auch heute noch der Ansicht, dass die Solarenergie die wichtigste Energiequelle der Zukunft ist. Darum habe ich mich dann später für dieses Masterprogramm angemeldet.

Lehre oder Studium?

Beides!

Was braucht es, damit mehr junge Menschen zur Urne schreiten?

Wenn ich das bloss wüsste!
Im letzten Jahr ist aber einiges passiert: Mit den Klimastreiks wurden viele Junge politisiert, weil sie gemerkt haben, dass Politik direkte Auswirkungen auf ihre Zukunft hat. Das freut mich.

Welcher Politiker wäre ein guter Dozent?

Mein Parteikollege Bastien Girod. Er hat gerade eben angefangen an der ETH zu unterrichten.

Was machst du, wenn du nicht gerade politisch tätig bist?

In meinem neuen Amt bin ich so gefordert, dass wenig Zeit bleibt neben der Politik. Zum Ausgleich gehe ich aber ab und zu Mountainbiken in der Umgebung oder treffe mich mit Freunden.

Wer ist dein (politisches) Vorbild?

Ich habe keine direkten Vorbilder. Aber es gibt Leute, die mich inspirieren, wie der ehemalige Berner Regierungsrat Bernard Pulver, der Britische Autor Simon Sinek oder der deutsche Autor Harald Welzer.

Ein Wunsch, der noch nicht in Erfüllung gegangen ist?

Eine rasche, weltweite, vollständige Dekarbonisierung zur Stabilisierung des Klimas.

Zur Person:

Der Klimawandel war im Alter von 15 Jahren der Auslöser für Martin Neukom, sich politisch zu engagieren. 2005 stiess er deshalb zu den Jungen Grünen, die er von 2008 bis 2012 präsidierte. Später war der 33-jährige Winterthurer im Zürcher Kantonsrat. Seit diesem März ist er Zürcher Regierungsrat und hat den Vorstand der Baudirektion übernommen.

Wir danken Martin Neukom für das Interview.

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