«Ein Gründer muss sich von seinem Startup abgrenzen können»



Roger Basler ist Experte für digitale Geschäftsmodelle, teilt sein Know-How regelmässig in Workshops und ist Gründer der Analytics Agentur. Im Interview erzählt er uns, welche Skills ein Gründer braucht, auf was er nicht vorbereitet war und welche Fächer er während seiner Ausbildung am liebsten mochte.



Wie bist du auf die Idee gekommen, dein Start-Up zu gründen?

„Mein erstes Startup habe ich vor 9 Jahren gegründet, aus der Überheblichkeit heraus: ich kann das besser.“

Vermutlich wie die meisten: ich bin ein schlechter Mitarbeiter. Mein erstes Startup habe ich vor 9 Jahren gegründet, aus der Überheblichkeit heraus: ich kann das besser. Ich hatte Glück, danach auch mal Pech, das gehört dazu, dass nicht alle Ideen funktionieren.

Was braucht es, um ein Startup zu gründen?

Die Einsicht, dass es doppelt so lange dauert und 3x so teuer ist wie man denkt. Einen Plan, der eine Absicht darstellt, begleitet von einem Coach, die oder der einem konstruktiv helfen kann. Ein familiäres und freundschaftliches Umfeld, das Verständnis hat und die Idee für ein Geschäftsmodell eher als für ein Produkt. Viel zu viele Startups sind zu produktverliebt, anstatt dass sie nutzenverliebt sind.

Was hast du in deiner Aus- oder Weiterbildung gelernt, das dir in deiner jetzigen Funktion weiterhilft?

Ich hatte damals die Kurse von Startup Campus vom Bund besucht, die Vorträge vom IFJ sowie Lehrgänge am KMU Institut der HSG und hätte mir gewünscht, es gäbe eine Unternehmerschule. Denn für die drei wichtigsten Themen gibt es keine Ausbildung: Cashflow Management, Feuerlöschungsstrategien und Verkaufen wenn Dir keiner zuhört.

Welche Skills braucht ein Gründer, die man nicht im Studium/in der Schule lernen kann?

Netzwerkfähigkeit mit der Möglichkeit, schnell zu denken und zu verbinden.

Abgrenzungsfähigkeit: Ein Nein hat nichts mit Dir als Person zu tun und du bist nicht das Business. Versuche die gesunde Distanz zu finden. Selbstmanagement: arbeite an wertvollen Tasks, die das Business weiterbringen ohne Micromanagement. Ich frage mich dabei immer: arbeite ich IM Business oder AM Business. Und zu guter letzt: Netzwerkfähigkeit mit der Möglichkeit, schnell zu denken und zu verbinden. Dein Netzwerk ist am Ende des Tages dein Net-Worth.

Auf welche Aspekte des Gründerdaseins warst du nicht vorbereitet?

Die ganze Administration, Versicherungen, Abrechnungen etc. Welche Software hilft wirklich bei was, benötige ich diese Ausgaben wirklich oder geht es auch günstig. Ich habe sicher 50% meiner Zeit nur recherchiert, um Dinge herauszufinden und am Ende sicher zu viel bezahlt.

Welche bekannte Persönlichkeit würdest du gerne zum Lunch treffen?

Patrizia Laeri (ehem. SRF und neu bei CNN Money). Ich finde sie macht einen genialen Job in der Informationsverbreitung und im Verständnis von ökonomischen Zusammenhängen.

Was machst du, wenn du nicht gerade arbeitest?

Ich liebe die Berge, den Wald und die Landschaft zu entdecken. Ich liebe Formen, Symmetrie und die Klarheit, wenn unser Bewusstsein nicht von kleinen Dingen abgelenkt wird. Die Welt dreht sich ohne unser Tun und ich finde es faszinierend. Aber ich bin auch ein grosser Musicalfan, was viele nicht wissen. Handy aus, im Moment sein. Darum liebe ich auch Museen, Theater und alles was mich inspiriert ohne digital zu sein.

Welcher Aspekt des Gründerdaseins gefällt dir am besten? Und welcher am wenigsten?

Am meisten gefällt mir, dass ich Selbstverantwortlichkeit lebe. Am wenigsten, dass ich selbst verantwortlich bin.

Wenn du einen Tag lang CEO von einem beliebigen (anderen) Start-Up oder einer Firma sein könntest, welche würdest du wählen? Und weshalb?

IDEO, die Firma hinter ganz vielen Designideen und geleitet von Sandy Speicher. Sie war 10 Jahre verantwortlich für IDEO Education und ist jetzt CEO. Ihre Artikel und Einsichten sind inspirierend und man spricht hier viel zu wenig von ihr und der Firma.

Wo stehen du und dein Startup heute in einem Jahr?

Ich arbeite hoffentlich noch mehr AM Business und weniger IM Business.

Was war dein Lieblingsfach in der Schule und/oder deine Lieblingsvorlesung im Studium? Weshalb?

„Von den Verlierern hört man selten, das ist auch bei den Firmen so. Alle reden von Zuckerberg und Branson und Huffington (…)“

Geschichte und später Wirtschaftsgeschichte. Vor allem wenn man rausfindet, dass die Geschichte von den Gewinnern geschrieben wird. Von den Verlierern hört man selten, das ist auch bei den Firmen so. Alle reden von Zuckerberg und Branson und Huffington und keiner von den vielen fuck-ups.

Wurdest du während deiner Ausbildung dazu animiert, innovativ zu denken und selbst Initiative zu ergreifen? Falls ja, in welcher Form?

Ganz früh, mein erster Job bei Lotus Development (IBM). Ich hatte eine geniale Chefin, die sagte: mach es, wie Du denkst es kommt gut und frage mich alles, was dich weiterbringt in dieser Aufgabe.

Hat man deiner Meinung nach jemals ausgelernt?

Zu reflektieren, zu verstehen und andere Sichtweisen einzunehmen und dadurch zu wachsen.

Wenn du nochmal ein Startup gründen könntest und es nicht das gleiche sein dürfte – was wäre es?

Ein Startup, das Ideen skaliert für unsere 3 wichtigsten Probleme: Hunger, Ausbildung und Umwelt.

Wir danken Roger Basler herzlich für das Beantworten der Fragen!

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