Return on Investment: Lohnt sich eine Aus- oder Weiterbildung?

Bericht

Falls du dir bereits dieselbe Frage gestellt hast, also ob sich dein Studium oder deine Weiterbildung lohnt, bist du hier an der richtigen Adresse. In diesem Artikel werden verschiedene Arten der Aus- und Weiterbildungen aufgezeigt und deren Potential analysiert. Zusätzlich beleuchtet der Artikel weitere Aspekte wie Kosten, Erträge und Dauer von Aus- sowie Weiterbildungen.

Bevor wir uns der Frage widmen können, ob sich ein Studium oder ein anderer Bildungsweg lohnt, fehlt noch eine wichtige Definition: „Return on Investment (ROI)“. Dieser Begriff stammt aus der Wirtschaft und beschreibt die Rendite einer Investition, gemessen am Gewinn im Verhältnis zum verwendeten Kapital. Dieser ROI in der Wirtschaft wird in Prozenten angegeben und kann einfach und schnell online berechnet werden. Ob sich der ROI eines Studiums oder einer Weiterbildung lohnt, ist dagegen schwerer zu bestimmen. In diesem Artikel soll betrachtet werden, ob sich ein Studium oder eine Weiterbildung auszahlt im Verhältnis von Zeit und Kosten (Kapital) zu Karriere und Lohn (Gewinn). Bildung bringt natürlich nicht nur Karrierechancen und einen besseren Lohn – andere Faktoren wie etwa breiteres Wissen, mehr Selbstbewusstsein und Überzeugungskraft sind auch Teil des Gewinns.

Klassische Berechnungsformel des Return on Investment in der Wirtschaft. Quelle Bild: CFI

Kapital
Während des Studiums verdient man meist gar kein oder nur wenig Geld. Kosten dagegen häufen sich an oder werden knapp gedeckt. Allerdings ist ein Studium in der Schweiz für den Einzelnen günstig, verglichen mit einem ähnlichen Studium in Grossbritannien oder den USA, da dort Bildung gar nicht oder nur teilweise vom Staat subventioniert wird.
In der Schweiz werden sowohl die Bachelorstudiengänge wie auch die auf einem Bachelor-Studiengang aufbauenden Masterstudiengänge vom Staat subventioniert. Nicht-konsekutive Weiterbildungen dagegen müssen vom Absolventen zum grössten Teil selbst getragen werden. Daher sind diese für die Meisten auch erst zu einem späteren Zeitpunkt in ihrer Karriere relevant. Ein Master in Business Administration beispielsweise kann im Extremfall über 100‘000 Franken kosten.
Neben dem Faktor Geld ist auch die Zeit ein Teil des Aufwands, welcher für ein Studium oder eine Weiterbildung aufgebracht werden muss. Weiterbildungen können meist berufsbegleitend absolviert werden, viele Bachelor- und Masterstudiengänge an Fachhochschulen, Universitäten und pädagogischen Hochschulen bieten Teilzeit an. Aber auch viele Vollzeitstudierende gehen nebenbei einer Tätigkeit nach. In vielen Fällen ist es eine Doppelbelastung, welche von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren dauern kann.

Gewinn
Aus finanzieller Sicht gesehen, zahlt sich Studieren und sich Weiterbilden meistens aus. So verdient man, wenn es der höchste Bildungsabschluss ist, mit einem abgeschlossenen Studium um einiges mehr als mit einer Berufslehre. Dies zeigen Statistiken des Bundes:

Monatlicher Bruttolohn nach Ausbildung und Geschlecht in der Schweiz. Quelle Bild: Bundesamt für Statistik

Es lässt sich sagen, dass sich Bildung ein Leben lang lohnt – im wahrsten Sinne des Wortes. Laut der FAZ  verdienen Universitätsabgänger statistisch gesehen immer mehr als Personen mit tieferem Bildungsstatus. Der Grund: Während Löhne und Gehälter von Facharbeitern ab Mitte dreißig kaum noch steigen, gibt es für Akademiker noch bis Mitte vierzig ordentliche Gehaltssprünge. Bruce Weinberg, Professor für Wirtschaft an der amerikanischen Ohio State University, welcher unter anderem im Bereich Bildung forscht, bestätigt auf Anfrage: „Jüngste Erkenntnisse zur Rendite von Bildung schliessen darauf, dass sich Bildung als Langzeitinvestment lohnt.“
Neben den finanziellen Aspekt fliessen aber auch weiche Faktoren wie etwa mehr Allgemeinbildung sowie aktuelle Branchenkenntnisse in den Return on Investment von Aus- und Weiterbildungen mit ein. Dies sind jedoch Dinge, die man nicht nur durch ein Studium oder eine Weiterbildung lernt. Selbiges gilt für die soziale Intelligenz und den Umgang mit Mitarbeitern und Vorgesetzten. Dementsprechend ist Bildung im klassischen Sinn nicht der einzige gangbare Weg.

Patt-Situation: Weiterbildung oder Arbeitserfahrung        
Was als wichtiger gewichtet wird, ist extrem abhängig von Branche, Region und persönlichen Präferenzen und lässt sich somit nicht pauschal beantworten. So gibt es Quereinsteigerberufe wie z.B. Berufschullehrer/in, welche nicht zwingend eine langjährige Berufserfahrung als Lehrer voraussetzen. Führende Tätigkeiten wie Teamleiter/in dagegen setzen dies meist zwingend voraus, obwohl es auch hier Ausnahmen gibt.
Statistisch gesehen erfreuen sich Weiterbildungen beim Durchschnittsschweizer einer grossen Beliebtheit. Jahrelange Weiterbildungen sind bei uns der Normalfall und werden oft vom Arbeitgeber finanziell oder durch ein kleineres Arbeitspensum unterstützt. Insgesamt bilden sich über zwei Drittel aller Schweizer weiter – und das ein Leben lang.

Weiterbildungsbeteiligung in der Schweiz im Jahr 2016, nach Alter, Geschlecht und Bildungsstufe unterteilt. Quelle Bild: Statista

Doch was ist aus Sicht eines Unternehmens wichtiger im Lebenslauf? Ehemaliger Leiter Recruiting bei der Credit Suisse, Daniel Hippenmeyer, erklärte im Beobachter: „Wir erwarten, dass Mitarbeitende und Kandidaten für offene Stellen stets auf dem neusten Wissensstand sind. Jeder Einzelne muss schauen, dass er auf dem Arbeitsmarkt marktfähig ist.“ Allerdings werde auch in die Waagschale geworfen, wenn jemand Berufserfahrung mitbringe.
Martin Ziltener vom ask!, den Beratungsdiensten für Ausbildung und Beruf ergänzt: „Aus- und Weiterbildungen zahlen sich dann aus, wenn ich danach in der Lage bin, das Erlernte in der Praxis anzuwenden und es dafür einen Markt gibt. Bildung on the job ist schwierig nachzuweisen; Abschlüsse gewinnen an Bedeutung, jedoch macht es wenig Sinn, diese auf Vorrat zu absolvieren.“

Das grosse Ganze
Bildung zahlt sich also für den Einzelnen aus, doch was ist ihr Return on Investment für die Gesellschaft? Die Akademien der Wissenschaften Schweiz sehen in der Bildung die „wichtigste strategische Investition“, damit sich die Gesellschaft als Ganzes erfolgreich zu behaupten und nachhaltig weiterzuentwickeln vermag. Der Think Tank Avenir Suisse geht noch weiter und findet: „Ob der Nachbar gebildet ist oder nicht, hat Auswirkungen auf jeden von uns.“ Das Bildungsniveau der Volkswirtschaft betreffe jede/n Arbeitgeber/in und jede/n Arbeitnehmer/in. So konnte in den USA nachgewiesen werden, dass Löhne auf einem gegebenen Bildungsstand höher sind in Städten, in denen die Bevölkerung insgesamt besser gebildet ist. Die Ökonomen sprächen von einem positiven externen Effekt. „Die soziale Bildungsrendite übersteigt die private.“
Den effektiven Return on Investment auf zusätzliche Bildung lässt sich letztendlich nicht wie in der Wirtschaft in Prozenten ausdrücken. Doch die Tendenz, dass Bildung für den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes einen echten Mehrwert darstellen kann, ist klar gegeben. Dass Bildung dafür die Gesellschaft und den Einzelnen etwas kostet, darf man getrost akzeptieren, denn wie John F. Kennedy wusste: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“

1×1 der Schweizer Bildungswege

Lehre
Dauer: Drei Jahre
Vorteil: Früher Einstieg in die Arbeitswelt, mehr Arbeitserfahrung, Lehrlingslohn
Nachteil: Kein Zugang zu Hochschulen

Berufsmatura und Passerelle
Dauer: Die Berufsmatura kann in einem Jahr oder in zwei Jahren (berufsbegleitend) absolviert werden. Die Passerelle ist eine einmalige Prüfung. Jedoch empfiehlt sich auch hier ein einjähriger Vorbereitungskurs.
Vorteil: Mit eidgenössischem Berufsmaturitätszeugnis erlangt man Zugang zu Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen. Mit der Passerelle wird man zusätzlich an universitäre Hochschulen zugelassen
Nachteil: Anspruchsvolle Prüfungsinhalte: Erste und zweite Landessprache, Mathematik, Naturwissenschaften (Biologie, Chemie und Physik), Geistes- und Sozialwissenschaften (Geschichte und Geografie)

Universität
Dauer: Drei bis fünf Jahre (ein Doktortitel bis zu 10 Jahre)
Vorteil: Möglichkeit auf einen der höchsten Bildungsgrade mit entsprechendem Lohn
Nachteil: Lange Dauer und später Einstieg in die Arbeitswelt, wenig Arbeitserfahrung, jedoch sehr unterschiedlich von Studiengang zu Studiengang

Fachhochschule
Dauer: Drei bis fünf Jahre, berufsbegleitend möglich oder teilweise mit Praktika verbunden
Vorteil: Bereits praktische Erfahrung beim Einstieg in die Arbeitswelt, Studium ist je nach Studiengang explizit auf Teilzeit ausgelegt
Nachteil: Lange Dauer und im Gegensatz zur Lehre ein späterer Einstieg in die Arbeitswelt und weniger Arbeitserfahrung

Höhere Berufsbildung: Höhere Fachschule (HF), Berufsprüfung (BP) und höhere Fachprüfung (HFP)
Dauer: Entweder ein bis eineinhalb Jahr(e) (BP, HFP) oder zwei bis vier Jahre (HF)
Vorteil: Gute Karrierechancen, da hohe Gewichtung der Praxis. Meist besserer Lohn mit einer höheren Fachprüfung oder der Berufsprüfung und bessere Chancen auf eine Führungsposition
Nachteil: Braucht ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis oder einen gleichwertigen Abschluss (Fachmatura, gymnasiale Matura). Ebenso ist eine mehrjährige Berufserfahrung vorzuweisen. Eher teuer: ca. 10‘000-50‘000 Franken für die gesamte Ausbildung. Allerdings unterstützt der Bund diese Prüfungen mit Subventionen. Erfahre mehr hier

Weiterbildungsmöglichkeiten: CAS (Certificate of Advanced Studies), DAS (Diploma of Advanced Studies), MAS (Master of Advanced Studies), MBA (Master of Business Administration), EMBA (Executive Master of Business Administration)
Dauer: Reicht von vier Monaten (CAS) bis zu mehreren Jahren, wird meist berufsbegleitend absolviert
Vorteil: Oftmals hohe Anerkennung des Weiterbildungsgrades, höherer Lohn, bessere Aufstiegsmöglichkeiten
Nachteil: Anspruchsvoll und zeitaufwändig, da man gleichzeitig arbeitet und studiert. Zudem können diese Diplome je nach Ort des Studiums und Art bis zu knapp 100 000 Franken kosten

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